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Seit die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich 1978 bis 1983 im Napfgebiet zwischen Bern und Luzern mit russischen Hagelraketen Versuche durchführte und nur etwa ein knappes Drittel der aufziehenden Unwetter verhindern konnte, ist das Hagelschießen in der Schweiz umstritten. Anders im Oberthurgau. Hier wurde eine völlig neue Methode, die sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus Deutschland stützt, entwickelt. Schon 1998 habe man im Raum Egnach damit begonnen, koordiniert und flächendeckend hagelverdächtige Gewitter zu beschießen, berichtet Projektleiter Emil Müller aus Steinebrunn. Man orientierte sich dabei an Daten des Wetterradars. "In den letzten zehn Jahren ist in der Region kein Hagelwetter mehr aufgetreten, wenn die Abwehr rechtzeitig und koordiniert erfolgt ist", sagt Müller. Eine Ausnahme war der 26. Mai dieses Jahres. Außergewöhnlich früh im Jahr hatte sich eine Hagelfront aufgebaut. Die Hagelabwehrschützen hatten keine Chance, das Unwetter rechtzeitig abzuwehren.
In den Jahren 2005 und 2006 seien im Kanton Thurgau allein an landwirtschaftlichen Kulturen Hagelschäden von je zwei Millionen Franken entstanden, sagt Müller. Die Direktion der Gebäudeversicherung Thurgau bestätigt, dass im Abwehrgebiet gegenüber dem nicht beschossenen Teil des Kantons die Schäden massiv zurückgegangen sind. "Vor allem seit sich die Hagelwetter häufen und stärker geworden sind wie in diesem Jahr, steigt auch wieder das Interesse am Hagelschießen", berichtet Müller. Rund 200 Hagelabwehrschützen sind in der Ostschweiz im Einsatz.
Eine Hagelrakete fliegt in eine Höhe von 1500 bis 2000 Meter, wo sie explodiert und bis zu einer Milliarde von kleinen Partikeln aus Silberjodid verstreut. Das Silberjodid hat eine ähnliche Gitterstruktur wie Eis. Diese Partikel wirken als Kondensationskeime für die Bildung von Eiskristallen. Um die Hagelbildung effizient zu verhindern, muss das Silberjodid von der Rakete direkt in die Aufwindzone vor dem Gewitter eingebracht werden. So bilden sich Eiskristalle, bevor die Gewitterthermik groß ist.
Durch die noch schwache Thermik fallen die künstlich erzeugten Hagelkörner nach unten und tauen in der Übernullgradzone wieder auf. Anstatt Hagel fällt Regen.
"Rund 200 Schützen sind zur Hagelabwehr in der Ostschweiz im Einsatz"

