Gesundheit

Herpes-Virus hat es im Winter besonders leicht

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Claudia Bell

Rund zwölf Millionen Bundesbürger leiden an Herpes - gerade jetzt im Winter. Denn das Immunsystem ist geschwächt und die von der Kälte spröden und rauen Lippen können den Erreger nur schwer abwehren.

Am Anfang juckt und kribbelt es ganz leicht. Dann - meist nur Minuten später - entwickelt sich ein leichtes Spannungsgefühl an der Ober- oder Unterlippe. Und schließlich kommt die bittere Erkenntnis: Der Herpes ist wieder da. Herpes-Leidgeprüfte wissen dann, dass sie die nächsten Tage mit den unangenehmen und schmerzenden Bläschen zu kämpfen haben und entsprechende Blicke und Sprüche netter Mitmenschen über sich ergehen lassen müssen.

Markus Kütterer leidet seit rund 15 Jahren unter den immer wiederkehrenden Lippenbläschen. Etwa einmal im Jahr kommen bei ihm mehrere Faktoren zusammen, die den Krankheitsausbruch begünstigen: "Viel Stress in Kombination mit einer Erkältung ist bei mir eine Garantie dafür, dass ich Herpes bekomme", sagt der 42-Jährige.

Viele Menschen tragen die tückischen Herpes-Viren in sich - die meisten, ohne jemals Beschwerden zu haben oder überhaupt davon zu ahnen. Die Erstübertragung findet ohne jegliche Symptome durch Tröpfchen oder Hautkontakt statt, also über kleine Hautverletzungen oder über die Schleimhäute. Ist jemand erst einmal infiziert, verbleiben die Erreger im Ruhezustand im Körper und lösen erst dann eine Infektion aus, wenn das körpereigene Immunsystem zu schwach ist, um sie zu unterdrücken. Das kann bei einer Erkältung oder Grippe der Fall sein, aber auch bei Erschöpfung oder nach einem exzessiven Sonnenbad. Je nach Veranlagung haben Menschen ständig oder seltener Herpes, manche Frauen vor oder während ihrer Menstruation.

Ein Ausbruch von bis zu sechsmal im Jahr sei noch im grünen Bereich, sagt Hautärztin Miriam Zago. "Aber alles, was darüber hinausgeht, muss per Langzeitprophylaxe behandelt beziehungsweise verhindert werden."

Wer einmal Herpes gehabt habe, könne immer wieder davon befallen werden, meist auch an derselben Körperstelle. "Wenn man einmal seinen Herpes-Typus weg hat, dann manifestiert sich das auch." Der am häufigsten vorkommende und meist harmlose Typus ist der "Herpes labialis" an Ober- oder Unterlippe, der von dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 ausgelöst wird. "Theoretisch kann man Herpes zwar überall bekommen, aber hier ist die Haut besonders dünn und empfindlich und zudem eine besonders sensible Übergangsschleimhaut", sagt Zago. Eine Salbe sofort nach dem ersten Auftreten von Juckreiz könne den Ausbruch des Herpes zwar nicht gänzlich verhindern, aber die Dauer etwas verkürzen.

Kritischer und vor allem für Schwangere und Babys gefährlich ist ein "Herpes genitalis" im Genitalbereich, der durch Herpes-simplex Typ 2 hervorgerufen wird. Diese Viren können etwa das Gehirn von Babys in Mitleidenschaft ziehen. Eine medikamentöse Behandlung des Neugeborenen sei daher zwingend erforderlich, betont die Ärztin. "Tückisch ist hier auch, dass in jener Körperregion oftmals schon ein kleiner Haarriss reicht, um die Viren zu transportieren und eine Krankheit hervorzurufen." Bei einer Herpes-Erkrankung gelte: "Finger weg, Küssen verboten, die Ansteckungsgefahr ist enorm hoch."

Vor allem der Lippenherpes ist es, der für die Betroffenen nicht nur schmerzhaft ist, sondern oftmals auch mit Scham einhergeht und für eine Portion Distanz zu den Mitmenschen sorgt. "Menschen mit Herpes werden schnell sozial etikettiert", bestätigt Ralf Blumenthal vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen in Berlin. In der Tat ist Herpes kein besonders schöner Anblick: Die Bläschen nässen im ersten Stadium, trocknen anschließend aus und verkrusten, bevor der dunkle Schorf schließlich abfällt und im schlimmsten Fall eine kleine Narbe hinterlässt. "Viele assoziieren Herpes automatisch mit einer schlimmen Krankheit, dabei kann gerade der Herpes am Mund fast schon als Volkskrankheit bezeichnet werden", betont Blumenthal.