Eindhoven - Wir sind nicht allein - auch nicht im Bett. Tausende winziger Wesen leben in Matratzen, Kopfkissen und Decken. Johanna van Bronswijk von der Universität Eindhoven hat die Bewohner menschlicher Matratzen einer Zählung unterzogen. Sie fand Milben, Insekten, Pilze und Spinnen. Nun wurde sie dafür mit dem alternativen Ig-Nobelpreis geehrt.

Die an sich harmlosen Bettgenossen können Allergikern schwer zu schaffen machen. Ganz besonders tut sich in diesem Zusammenhang die Hausstaubmilbe hervor. Sie lebt überall, wo es feucht, dunkel und mittelmäßig warm ist, und sie ernährt sich von menschlichen Hautschuppen. Damit sind Betten das ideale Milben-Heim. Doch der Kot der mikroskopisch kleinen Spinnentierchen führt bei Allergikern zu Atemnot, triefender Nase und Niesreiz. Ein übereifriges Immunsystem ist schuld, dass der Körper so gereizt auf die Milben reagiert. Es veranlasst die Bildung von Antikörpern gegen eigentlich harmlose Substanzen. Wer auf Hausstaubmilbenkot allergisch reagiert, hat naturgemäß das ganze Jahr über Probleme. Im Schlafzimmer ist die Belastung am größten. Experten empfehlen, die Population um mindestens 80 bis 90 Prozent zu verringern. Weil Milben eine feuchte Umgebung brauchen - sie nehmen Wasser über die Haut auf - muss zuerst ein trockenes Wohnklima her: regelmäßiges Lüften ist Pflicht. Dann gilt es, die lebenden und toten Milben - die Krabbler leben nur etwa sechs Wochen - und ihre Ausscheidungen von den Atemwegen fernzuhalten.

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund empfiehlt allergendichte Überzüge für die Matratzen. Bettdecken und Kopfkissen sollten regelmäßig bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Um alle Milben loszuwerden, reicht ein normaler 60-Grad-Waschgang aber nicht, denn gewöhnliche Maschinen halten diese Temperatur nur etwa 25 Minuten lang. Um die Spinnentiere zu vernichten, muss die Wäsche aber mindestens eine Stunde lang heiß gewaschen werden.

Im Übrigen tut die Gesellschaft von Bakterien, Pilzen und anderen Kleinstlebewesen im Bett dem Menschen kaum Schaden. Im Gegenteil: Das "gut funktionierende Ökosystem" wird erst dann gestört, wenn die Keime mutieren und sich verändern. Deshalb sehen Mikrobenforscher viele Bemühungen der Textilhersteller mit Skepsis. Ein Beispiel dafür ist die antibakterielle Matratze. Vor nachteiligen Folgen der antibakteriellen Imprägnierungen warnt jetzt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Kritisch sehen Forscher besonders den dabei verwendeten "Bakterientöter" Triclosan. Die Chemikalie aus der Gruppe der Chlorphenole, einer Ausgangssubstanz für verschiedene Dioxine, wird über die Haut leicht aufgenommen. Laut "Ökotest" kann sich der Stoff aus der Matratze herauslösen. Wird er vom Menschen aufgenommen, kann er die Leberfunktion beeinträchtigen. Laut "Ökotest" ist das behandelte Material zudem oft mit Dioxinen verunreinigt, die sich im Körper anreichern. Einige Dioxine lösen in geringen Mengen Chlorakne aus, andere erzeugen Krebs.

Triclosan steht im Verdacht, die Antibiotika-Resistenz von Bakterien zu fördern. Auch einige Fälle von Allergien gegen Triclosan seien bekannt geworden. Laut Stiftung Warentest behandeln einige Hersteller die Matratzen auch mit Permethrin, einem Insektengift, das in höherer Dosis auch für den Menschen schädlich ist.