Valencia - Eine 47-jährige Spanierin ist nach Angaben ihrer Ärzte die erste Frau der Welt, bei der die Mediziner eine Verpflanzung beider Hände vorgenommen haben. Die Patientin hatte ihre Hände vor 28 Jahren bei einem chemischen Experiment verloren. Wie der Leiter des Chirurgenteams, Pedro Cavadas, in Valencia mitteilte, verlief die Transplantation erfolgreich.
Die zehnstündige Operation war in der Nacht zum 1. Dezember in der ostspanischen Hafenstadt vorgenommen worden. Die transplantierten Hände stammten von einer Frau, die wenige Stunden zuvor gestorben war. Nach Angaben des Mediziners wird die Empfängerin in etwa sechs Monaten Gefühl in den Händen entwickeln. Sie könne noch in dieser Woche aus dem Krankenhaus entlassen werden. Nach spanischen Angaben gab es weltweit bisher nur in sechs Fällen - in Frankreich, Österreich und China - Verpflanzungen von beiden Händen. In allen Fällen seien die Patienten Männer gewesen.
Die Transplantation von Händen, wie sie spanische Ärzte an der 47-jährigen Frau vorgenommen haben, ist nach Ansicht eines deutschen Mediziners eine "hohe Handwerkskunst". "Dabei müssen viele Nerven, Blutbahnen, Sehnen und Muskeln miteinander verbunden werden", sagte der Generalsekretär der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG), Prof. Bernhard Krämer von der Universitätsklinik Regensburg, gestern.
Unter Chirurgen gebe es zahlreiche Diskussionen darüber, ob solche Operationen angesichts der möglichen Nebenwirkungen überhaupt vorgenommen werden sollten, sagte Krämer. Zu den Nebenwirkungen zählten Infekte infolge des unterdrückten Immunsystems, chronische Schäden durch die notwendigen Medikamente und mitunter sogar Tumore. "Es gibt aber Menschen, für die ist das Leben ohne die beiden Hände nicht lebenswert", so der Transplantationsmediziner. Diese Betroffenen nähmen dann mitunter bewusst in Kauf, dass sich ihr Leben durch die Folgen eines solchen Eingriffes verkürze.

