Hamburg - Auf einer Fläche so groß wie Zentraleuropa schwimmt im Pazifik ein Müllteppich, berichtet der Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace. Meerestiere und Vögel verwechseln die Teile mit Futter und verenden.

In allen Ozeanen der Erde schwimmt Plastikmüll. Zwischen Hawaii und dem amerikanischen Festland landet viel Müll aus Amerika und Asien. "In Megastädten von Ländern wie Indonesien oder Thailand funktioniert die Entsorgung nicht so, wie wir sie kennen", erklärt Thilo Maack. "Im Meer landen aber auch viele Vorprodukte von Plastik. Da schwimmen Plastikkügelchen aus verloren gegangenen Containern. Außerdem werden ganze Wagenladungen bewusst ins Wasser gekippt."

Maack war mit dem Greenpeace-Schiff "Esperanza" drei Wochen lang "bei den Brennpunkten der Meereszerstörung" und sammelte Planktonproben. Was er von Bord aus beobachtete, war für ihn zuvor unvorstellbar: "An einigen Stellen gab es im Wasser weitaus mehr Plastik als Natur - da fanden wir nur noch wenige Fischeier, Muschellarven oder Quallen."

Der Grund für die Ansammlung von so viel Müll im Nordpazifik: Ein Hochdruckgebiet erzeugt einen starken, riesigen Meeresstrudel. Das Hoch speist sich aus aufsteigenden warmen und absinkenden kühleren Luftmassen und dreht sich im Uhrzeigersinn. Vom Strudel wird Müll aus dem ganzen nördlichen Pazifik erfasst.

Toxische Substanzen wie DDT oder PCB, die im Wasser nicht gelöst werden, setzen sich an die Plastikteile an. "Wissenschaftler wiesen eine millionenfach höhere Konzentration der Dauergifte im Vergleich zum restlichen Wasser nach", weiß Maack. Meerestiere fressen die Plastikteile und werden zum Giftopfer. Größere Meerestiere schließlich, die die kleineren fressen, speichern die Gifte.

Wissenschaftler fanden im Magen von 97 Prozent der Nordsee-Eissturmvögel Plastikteile. Fast die Hälfte der Layson-Albatros-Küken starb auf einer hawaiianischen Insel innerhalb der ersten sechs Lebensmonate, weil ihr Magen mit Plastik gefüllt war - der Tod kommt durch Verhungern. Einst konnten Bakterien, Wellenschlag und UV-Licht die "Müllabfuhr" übernehmen, weil die Menge überschaubar war und - zumindest über lange Zeiträume - abgebaut wurde. Heute werden jedoch weltweit jedes Jahr 125 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Flaschen, Verpackungen, Feuerzeuge - alles, was sich aus den leicht formbaren Erdölprodukten herstellen lässt, wird vom Menschen zwar gern genutzt, aber auch gern ins Meer geworfen. Jedes Plastikteil, das im Nordpazifik landet, bleibt 16 Jahre lang dort. Aber: "Manche Bestandteile, beispielsweise aus Joghurtbechern, benötigen fast 500 Jahre für eine Zersetzung", erläutert Maack.

Wer den Plastikmüll weit weg wähnt, irrt: Auch an britischen Nordseestränden und in anderen Gewässern Europas fanden Forscher um Richard Thompson aus Plymouth massiv Rückstände von Plastikmüll. Nach Thompsons Einschätzung schwimmen 300 000 Plastikteile pro Quadratkilometer an der Oberfläche. 100 000 Plastikteile pro Quadratkilometer liegen auf dem Grund.