- Im Rahmen der Untersuchung wurden jahrelang Frauen und ihre Kinder beobachtet, die in unterschiedlicher Entfernung zu der Chemiefabrik lebten, als 1976 das hochgiftige Dioxin austrat.

Die Teilnehmerinnen wurden in drei Gruppen unterteilt: 1772 Frauen, die zum Zeitpunkt des Unfalls in unmittelbarer Nähe der Anlage (Gruppe A) oder in einer etwas weiter entfernten, aber ebenfalls belasteten Gegend (Gruppe B) lebten, wurden verglichen mit weiteren 1772 gleich alten Frauen aus nicht vergifteten Orten (Gruppe C). Die Frauen bekamen im Zeitraum zwischen 1994 und 2005 insgesamt 1014 Babys. Die Forscher untersuchten den TSH-Wert im Blut der Kinder. TSH ist ein Steuerhormon, das die Schilddrüse anregt. Ist der TSH-Wert zu hoch, kann die Schilddrüse schwere Schäden davontragen und sich nachhaltig auf die Entwicklung des Babys auswirken.

Das Team fand in der Gruppe A rund sechsmal häufiger Kinder mit stark erhöhten TSH-Werten. Etwa jedes sechste Kind (16,1 Prozent) war dort betroffen, in der unbelasteten Vergleichsgruppe C war es nur rund jedes 36. Kind (2,8 Prozent). In Gruppe B hatte immerhin noch rund jedes 20. Kind (4,9 Prozent) erhöhte TSH-Werte. Diese Beobachtungen ließen den Schluss zu, dass die direkte Vergiftung von Frauen mit 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD) - wie in Seveso - auch nach vielen Jahren noch immer schädigende Auswirkungen auf deren Kinder haben kann, betonen die Wissenschaftler.

Die Umweltkatastrophe in Seveso ereignete sich am 10. Juli 1976, als hochgiftiges Dioxin aus einer Chemiefabrik austrat. Die Umwelt wurde weiträumig vergiftet. Tiere starben, Anwohner erkrankten. Seveso gilt als einer der folgenschwersten Chemieunfälle des 20. Jahrhunderts.