Gründerzeit

„Innovation ist wichtiger als Globalisierung“

Jürgen Stüber über die erfolgreichen Finanzierungsrunden zweier Berliner Start-ups. Die Stadt ist im Fokus internationaler Investoren

Die vergangene Woche war eine gute Woche für die Berliner Start-up-Szene. Sie war nicht nur gut für die den Fotodienst EyeEm und den Finanzdienstleister Number26, die Investments in der Höhe zweistelliger Millionenbeträge erhalten haben – zehn Millionen Euro für Number26 und 18 Millionen Dollar (16,7 Millionen Euro) für EyeEm. Sie war gut für die Szene insgesamt. Denn diese beiden Finanzierungsrunden zeigen, dass Berlin mittlerweile in den Kreis der global bedeutsamen Start-up-Zentren aufgestiegen ist. Berlin ist in den Fokus internationaler Investoren gerückt.

Die Online-Plattform EyeEm ist ein Marktplatz für Fotos und ein soziales Netzwerk für Fotografen. Ihre Kooperation mit der Fotoagentur Getty ermöglicht Smartphone-Fotografen, Bilder zu vermarkten. Number26 hat ein Girokonto entwickelt, das ausschließlich mit dem Smartphone verwaltet wird.

Hinter den genannten Finanzierungsrunden steht ein Name: Peter Thiel. Er ist Mitgründer des Bezahldienstleisters PayPal und war der Erste, der die Dimension von Facebook erkannte und deshalb 500.000 Dollar in das Unternehmen investierte. Thiel brachte PayPal an die Börse und gründete nach dem Verkauf seiner Anteile einen Hedgefonds. Damit gehört er zu den wichtigsten Akteuren des Silicon Valley.

Bei einem Besuch in Berlin vor etwas mehr als einem Jahr sagte Thiel auf die Frage nach den wichtigsten Eigenschaften eines erfolgreiches Start-ups: „Erstens extrem leidenschaftliche und talentierte Gründer. Zweitens interessieren wir uns für große Technologien und drittens ist eine gute geschäftliche Strategie erforderlich.“ Er investiere nur in Unternehmen, die diese drei Kriterien erfüllen. Das hat er jetzt getan.

Als Thiel nach der Erfolgsformel gefragt wurde, bemühte er die Mengenlehre. Man stelle sich drei sich überschneidende Kreise vor. Der erste steht für die Frage: Was kann ich? Der zweite zielt auf die Frage: Was ist wertvoll? Und der dritte steht für die Frage: Was machen andere Gründer nicht? Nur wer sich in der Mitte aller drei Kreise bewegt, hat Erfolg. Als Beleg für diese These können Thiels eigene Gründungen und Investments gelten.

Thiels Erfolgsmantra lautet Technologie und Innovation. „Viele Leute denken, Globalisierung sei der wichtigste Trend unseres Zeitalters. Aber ich finde, die Erfindung von Technologien ist wichtiger als Globalisierung. Letztere wird nur dann erfolgreich sein, wenn wir erfolgreiche Entwicklungen im Bereich der Technologie haben“, sagte Thiel bei seinem Berlin-Besuch. Bei der Globalisierung würden nur Ideen vervielfältigt. Bei Innovation neue erschaffen. Wer tiefere Einblicke erhalten will: Thiel hat seine Philosophie in dem Buch „Zero to One: Wie Innovation unsere Gesellschaft rettet“ aufgeschrieben (Campus Verlag, 22,99 Euro, Kindle-Version 19,99 Euro).

Diese Beschreibung trifft auf die Gründer der beiden finanzierten Unternehmen zu, so weit man das zum gegenwärtigen Zeitpunkt sagen kann: Das Team um Florian Meissner (EyeEm) hat bereits Innovation geschaffen. Das Start-up von Valentin Stalf (Number26), das noch in einer geschlossenen Vorläufer-Umgebung arbeitet, ist auf dem Weg dorthin.

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