Nächste Runde im Wettrennen der Bringdienst-Vermittler: Jitse Groen will den deutschen Marktführer Delivery Hero (Lieferheld, pizza.de) überholen. Groen ist Gründer und Chef der Takeaway-Gruppe aus Utrecht, mit Lieferando und Lieferservice die Nummer zwei in Deutschland. Im laufenden Jahr werde sein Unternehmen mehr Werbung als bisher schalten und zusätzlich das Produkt verbessern, um den Konkurrenten abzuhängen.

Takeaway bezeichnet sich als Marktführer in Kontinentaleuropa, Delivery Hero sieht sich gar als Weltmarktführer. Doch das wirklich entscheidende Rennen dreht sich um den lukrativen deutschen Markt oder, wie Groen es sagt: Ein großes Gebiet, in dem die Leute Geld haben und auch viel Essen bestellen. Ausgetragen wird der Wettstreit weitgehend in Berlin. Delivery Hero hat hier seinen Sitz, auch Lieferando arbeitet aus der Hauptstadt. Beide Unternehmen haben auf der Rennstrecke schon einige Hakeleien hinter sich, vor allem juristischer Art. Im April 2014 übernahm dann Groens Takeaway Lieferando und hängte Delivery Hero etwas ab. Die konterten allerdings im Herbst mit dem Kauf des damaligen Marktführers Pizza.de.

Das Geschäftsmodell ist recht einfach und ähnelt sich bei allen Anbietern: Über die Internetseite können Kunden sich ein Restaurant aussuchen und Essen bestellen, bezahlt wird beim Lieferfahrer. Die Internetseiten nehmen für die Vermittlung eine Gebühr, Lieferando und Lieferheld verlangen rund 10 Prozent des Umsatzes. Der Markt ist noch vergleichsweise jung und wächst dafür kräftig. Allerdings schätzen Experten, dass sich der Marktführer und allenfalls der zweite überleben werden. Die Unternehmen versuchen, sich durch Spitzentechnologie und mehr Angebot von der Konkurrenz abzusetzen. Und ihre Bekanntheit zu erhöhen. Das alles kostet Geld, viel Geld.

In Deutschland verliere Takeaway Geld, sagt Groen. Der Wettbewerb sei intensiv, das Unternehmen investiere sehr viel in Marketing. Man müsse sehr ambitioniert sein, profitabel zu werden. Genaue Zahlen zum Unternehmen nennt er nicht. Takeaway beschäftigt 470 Mitarbeiter, davon rund 140 in Berlin.

Delivery Hero ist da in Deutschland besser aufgestellt. Nach der Übernahme des Marktführers Pizza.de im vergangenen Herbst sind die Berliner die Nummer eins. Und sie verdienen in Deutschland Geld. Chef Niklas Östberg sprach zuletzt von einem ordentlichen Profit, ohne genaue Zahlen zu nennen. Weltweit arbeiten rund 1500 Beschäftigte für die Gruppe 500 davon in Berlin. Ein beeindruckender Gegner. Doch Groen nimmt den Wettstreit auf und ist dabei froh, weitgehend selbst bestimmen zu können, wie es mit seinem Unternehmen weitergeht. Groen hält einen „substanziellen Anteil“ am Unternehmen, neben den Finanzinvestoren Prime Ventures (Niederlande) und Macquarie Capital (Australien). Und er setzt weitgehend auf Wachstum aus eigener Kraft und nicht so sehr auf Zukäufe wie Delivery Hero. Oder dessen Großaktionär Rocket Internet, der auch noch am Berliner Unternehmen Foodpanda beteiligt ist, das sich auf Bringdienstvermittlung in Schwellenländern spezialisiert.

Die Berliner Beschäftigten der Takeaway-Gruppe ziehen als nächstes erst einmal um, von den Gewerberäumen in der Chausseestraße in die Nähe des Potsdamer Platzes. Es soll lichter werden, mehr Glas, weniger „Start-up-Ambiente“, wie Groen sagt. Und es gibt Platz für zusätzliche Mitarbeiter. Groen setzt schließlich auf Wachstum.