Unternehmen

Herlitz muss Pelikan weichen

Der Eigentümer aus Malaysia fusioniert beide Traditionsfirmen. Neues Unternehmen heißt nach dem hannoverschen Hersteller

In Berlin entsteht ein neuer Büroartikel- und Schreibwarenkonzern. Der malaysische Konzern PICB bündelt seine Beteiligungen an Pelikan aus Hannover und Herlitz in der Herlitz AG, die in Pelikan AG umbenannt wird. Auf der außerordentlichen Herlitz-Hauptversammlung in Berlin beschlossen die Aktionäre die historische Veränderung unter dem Gegrummel einiger Kleinaktionäre. Vor allem die Zukunft erschien manchem der rund 100 anwesenden Anleger etwas zu rosig dargestellt.

Das neue Unternehmen dürfte geschätzt 200 Millionen Euro umsetzen und etwa 2000 Mitarbeiter weltweit beschäftigen. Den Plänen des Herlitz-Vorstands zufolge, die auf der Hauptversammlung vorgelegt wurden, soll die neue Pelikan AG zum 1. März 2015 stehen und bereits im kommenden Jahr mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen, vielleicht sogar Geld verdienen. Die Herlitz AG hatte 2013 rund 95,5 Millionen Euro umgesetzt, bei einem Verlust von 7,5 Millionen Euro. Die Pelikan Group, bisher in der Schweiz bilanziert, wies umgerechnet 153,2 Millionen Euro Umsatz und 4,5 Millionen Euro Gewinn aus.

Herlitz war zuletzt ein reiner Logistikdienstleiter, der vor allem für Pelikan gearbeitet hat. Pelikan ist vor allem für seine Blöcke, Füller, Tuschkästen und edlen Schreibgeräte bekannt. Das hannoversche Unternehmen wurde 1838 gegründet.

Pelikan ist bisher ein verschachteltes Konstrukt mit zahlreichen Einzelgesellschaften unter einer Holding in der Schweiz, an der die Pelikan International Corporation Berhad (PICB) die Mehrheit hält. Das Logistikzentrum, dass Herlitz in Falkensee westlich Berlins betreibt, gehört mittelbar PICB. Die Herlitz AG hängt direkt an PICB. In dem Gesamtkonstrukt sind die malaysische Holding, die Pelikan Holding in der Schweiz und Herlitz börsennotiert.

Künftig soll alles einfacher werden. Der Plan sieht vor, aus dem Pelikan-Geflecht die Firmen mit Ertragschancen, die Produktion in Peine bei Hannover, die Marken Pelikan, Herlitz, Geha und SusyCard und die Immobilie im Zuge einer Kapitalerhöhung als Sacheinlage in die Herlitz AG einzubringen. Gleichzeitig sollen bei Altaktionären und am Markt im Zuge der Kapitalerhöhung Aktien platziert werden. Zudem wandelt sich die Herlitz AG zur Pelikan AG.

Das Ganze soll bis Ende Februar 2015 umgesetzt sein. Die Schweizer Pelikan Holding verschwindet, mit hohen Pensionsrückstellungen belastete Firmen aus dem Pelikan-Universum sollen direkt bei der PICB bleiben. Die neue, deutlich ausgebaute Pelikan AG soll dann mit ausreichend Kapital für Investitionen ausgestattet sein und dank eines höheren Streubesitzes für Anleger interessanter sein als die bisher eher langweilige Herlitz-Aktie.

Optimistischer Ausblick

Klingt alles ganz gut, wird sich mancher Aktionär gedacht haben. Schließlich sieht der Plan für 2015 mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis in der Pelikan AG vor, vielleicht sogar einen Gewinn. In der Projektion, die der Vorstand auf der Hauptversammlung vorlegte, steigt der Gewinn sogar in den nächsten Jahren. Möglicherweise gibt es auch eine Dividende, etwas, auf das die Aktionäre seit Jahren verzichten mussten.

Manch Herlitz-Aktionär kann sich noch an gute Zeiten erinnern. Herlitz, seit März 1993 an der Börse, erreichte zeitweise Werte von bis zu 220 Euro, bevor falsche unternehmerische Entscheidungen und die Russlandkrise Ende der 90er-Jahre das Unternehmen Richtung Pleite trieben. 2002 meldete Herlitz Insolvenz an, konnte aber saniert werden. Nach einer Phase im Besitz des US-Finanzinvestors Advent kam Herlitz 2010 zu PICB. Seither hat die Familie Herlitz, die das Unternehmen 1904 in Berlin gegründet hatte, nichts mehr mit ihm zu tun. Der Kurs dümpelte zuletzt bei rund 80 Cent.

Der Kurs könnte auch ein Problem bei der geplanten Kapitalerhöhung sein. Denn die neuen Aktien werden zu einem Euro ausgegeben, gesetzlich ist ein niedrigerer Nennwert nicht möglich. Für Anleger ist es also interessanter, an der Börse zu kaufen. Auch sonst hatten die Aktionäre einige Fragen an Frauke Wandrey, Hooi Keat Loo (beide sitzen auch in der Führung von Pelikan) und Claudio Esteban Seleguan vom Herlitz-Vorstand. Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK) etwa wollte wissen, warum Pelikan und Herlitz erst jetzt fusioniert werden. Diesen grundsätzlich guten Plan hätte man schon vor zwei Jahren umsetzen können, sagte er.

Schwierigkeiten bereitet Kunert und einigen anderen Anlegern auch die Bewertung der Firmen und Beteiligungen, die PICB und die mit ihr verbundenen Unternehmen in die Herlitz AG einbringen wollen. Sie seien deutlich zu hoch, sagte Kunert. Das nähert bei einigen im Saal den Verdacht, von dem Geschäft profitiere vor allem Großaktionär PICB. Eine echte Alternative zum Konzept scheint es aber nicht zu geben. Und angesichts der Mehrheitsverhältnisse hilft den Gegnern des Geschäfts nur ein Weg: die Klage.