Das soziale Netzwerk Facebook greift den Konkurrenten Google mit einem neuen Werbenetzwerk im Markt für Mobilwerbung direkt an. Firmengründer Mark Zuckerberg stellte das Projekt namens „Facebook Audience Network“ bei der Eröffnung von Facebooks Entwicklerkonferenz f8 vor. Zudem verkündete er weitere Details zu einer Produktoffensive, mittels der Facebook zum dominierenden Unternehmen für Mobilwerbung und Mobilsoftware werden will: Facebook umwirbt App-Entwickler. Die sollen künftig ihre Mobilprogramme nicht mehr für jedes einzelne Smartphone-Betriebssystem neu entwickeln, sondern stattdessen ihre Apps auf Facebooks Infrastruktur und Plattform basieren lassen. So will Facebook sich als übergreifender Vermittler zwischen die App-Entwickler und die konkurrierenden und zerstrittenen Mobil-Betriebssystemanbieter Apple, Google und Microsoft drängen.
„Entwickelt schnell auf einer stabilen Infrastruktur“ sei das neue Arbeits-Motto von Facebook, sagte Zuckerberg in seiner Rede – und stellte dann eine Entwicklungsumgebung vor, die auf einem im April 2013 von Facebook übernommenen Startup basiert: „Parse“ ist die Basis, für die Mark Zuckerberg auf der f8 Entwickler umgarnt. Sie sollen künftig ihre Apps nicht mehr in Googles Playstore oder Apples Appstore einstellen, sondern sie plattformübergreifend über Facebooks „Parse“-Plattform, -Server und -Softwarebasis verbreiten. Dafür garantiert Facebook via „Parse“ eine stabile Entwicklungsumgebung. Zudem will Facebook den Entwicklern Arbeit abnehmen, indem der Konzern Infrastruktur wie Serverplatz stellt und Aufgaben wie Abrechnung von Einkäufen und Werbung in den Mobil-Apps übernimmt.
Auch will Facebook innerhalb der Apps neue Funktionen anbieten: Links zu Internetseiten sollen in den Apps nutzbar und teilbar werden, Nutzer sollen Zugriff auf App-übergreifende Chatfunktionen bekommen. Nicht zuletzt will Facebook seinen Like-Button auch innerhalb der Apps einsetzen, um genauer erkennen zu können, welche Inhalte – wie etwa Videos – die Nutzer bei der Nutzung der Apps favorisieren.
„Parse“ ist für Facebook das Mittel zu dem Zweck, der führenden Anbieter von Mobilwerbung zu werden: Da Facebook die Informationen aus den Nutzerprofilen über Alter, Hobbys, Beruf, Beziehungsstatus und Interessen der Nutzer auswerten kann, kann der Konzern gezielter personalisierte Werbung auf Mobilgeräten schalten. Die ist wertvoller für Werbekunden und Facebook, da die Nutzer öfter darauf klicken. 60 Prozent von Facebooks Werbeeinnahmen resultierten bereits aus mobiler Werbung.
Um auch für die App-Nutzer attraktiver zu werden, räumt Facebook den Nutzern mehr Kontrollrechte ein: Wer will, soll Apps auf Facebooks Plattform in einem anonymen Modus ausprobieren können, um sein Nutzerprofil gegenüber den App-Anbietern zu verschleiern. Zudem will Facebook den Nutzern erlauben, Zugriffsrechte für jede App neu zu definieren, etwa den Zugriff auf persönliche Informationen im Facebook-Profil zu unterbinden. So will Facebook vermeiden, dass die Nutzer aufgrund von Datenschutz-Bedenken vor Facebooks App-Plattform zurückschrecken.

