Er hat PayPal gegründet und als erster in Facebook investiert. Nur wenige Personen in der schnelllebigen Internetbranche haben eine bessere Expertise als er: Peter Thiel. Ausgerechnet dieser Mann mahnt Berliner Gründer zu Geduld. Thiel war der Stargast der Gründerveranstaltung hy!summit in Berlin. Thiel fordert von der Start-up-Szene mehr Nachhaltigkeit. „Der Mittelstand in Deutschland wurde über Jahrzehnte aufgebaut“, sagt er. Es sei merkwürdig, dass die Start-up-Szene in Berlin da eine ganz andere Einstellung habe und Erfolge über Nacht entstehen müssten.

Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein: Berlin ist für Thiel „der vielversprechendste Ort für Start-ups im alten Europa.“ Nach seinem Auftritt auf der großen Bühne des hy!summit wird er im kleinen Kreis präziser: „Berlin ist ein Ort großartiger Kreativität“, sagt er. Verglichen mit anderen europäischen Metropolen sei die Akzeptanz in Berlin, etwas Neues aufzubauen, am größten. „Hinzu kommt, dass Berlin sehr preiswert ist.“ Und die Start-up-Szene habe eine kritische Masse erreicht, aus der Erfolge entstehen könnten.

Doch Berlin habe auch Defizite, diagnostiziert der PayPal-Gründer und Facebook-Investor. „Was Berlin am meisten fehlt, ist eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte“, sagt Thiel. Damit meint er einen großen Exit, also einen Unternehmensverkauf für eine hohe Summe oder den Börsengang eines Unternehmens. Was fehlt, ist Geduld – sowohl auf der Seite der Investoren als auch bei den Gründern. „Firmen wurden zu früh verkauft“, sagt der Investor.

Wenn Thiel auf sein Geheimnis zum Erfolg zu sprechen kommt, bemüht er die Mengenlehre und wirft drei sich überschneidende Kreise an die Wand. Der erste steht für die Frage: Was kann ich? Der zweite zielt auf die Frage: Was ist wertvoll? Und der dritte steht für die Frage: Was machen andere Gründer nicht? Nur wer sich in der Mitte aller drei Kreise bewegt, hat Erfolg. Er selbst hat mehrfach bewiesen, dass das stimmt.

Welche Eigenschaften braucht ein erfolgreiches Start-up, in das Thiel selbst investieren würde? „Erstens extrem leidenschaftliche und talentierte Gründer. Zweitens interessieren wir uns für große Technologien und drittens ist eine gute geschäftliche Strategie erforderlich“, sagt Thiel.

Thiel hält ein Plädoyer für Innovation durch Technologie. „Viele Leute denken, Globalisierung sei der wichtigste Trend unseres Zeitalters. Aber ich finde, die Erfindung von Technologien ist wichtiger als Globalisierung. Letztere wird nur dann erfolgreich sein, wenn wir erfolgreiche Entwicklungen im Bereich der Technologie haben.“ Bei der Globalisierung würden nur Ideen vervielfältigt, bei Innovation neue erschaffen.

Steigende Produktivität durch Technologie habe den Menschen immer die Freiheit gegeben, andere und neue und bessere Dinge zu tun. Da habe sich Karl Marx geirrt.

Anscheinend hält Thiel wenig davon, dass Berlin sich ständig mit dem Silicon Valley vergleicht und sehnsuchtsvoll auf die Erfolge dort schielt. „Wenn man Deutschland mit Kalifornien vergleicht, ist die Einstellung der Menschen bemerkenswert verschieden“, sagt er. In Deutschland sei die Grundstimmung sehr pessimistisch, aber gemütlich. „In Kalifornien dagegen sind die Menschen sehr optimistisch, aber auch sehr verzweifelt.“ Und das zeigt er an einem Beispiel: „In Kalifornien wollen jedes Jahr 20.000 Leute Schauspieler werden, aber nur 20 gelingt das. In Deutschland wäre das undenkbar.“ Bei Start-ups ist das kaum anders.

Thiel wurde in Deutschland geboren. Als er ein Jahr alt war, wanderten seine Eltern in die USA aus, wo Thiel aufwuchs und an der Stanford Universität Philosophie und Jura studierte. Er ist Partner des Risikokapitalunternehmens Founders Fund in San Francisco. Seine Karriere begann als Gründer und Chef des Bezahldienstleisters PayPal, den er an die Börse brachte und schließlich für 55 Millionen Dollar an Ebay verkaufte. 2004 war er der erste Investor von Facebook und verkaufte seine Aktien später für mehr als eine Milliarde Dollar.