Gründerzeit

Kreativität trifft Technik

Jürgen Stüber über den neuen Trend der Berliner Gründer, Hardware in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen

Noch vor wenigen Monaten waren sie die Exoten der Berliner Gründerszene: Techniker, die sich mit Hardware beschäftigen, Geräte entwickeln und diese selbst auf den Markt bringen. Doch mittlerweile rücken sie immer öfter in den Fokus der Öffentlichkeit – mit erstaunlichen Ergebnissen bei Finanzierungsrunden, wie zuletzt zum Beispiel die Panoramakamera Panono und der Kaffeeautomat Bonaverde. Beide erreichten sechsstellige Ergebnisse bei Crowdfunding-Kampagnen.

So weit sind die zehn Start-ups, die eine Woche lang im Hardware-Accelerator an ihren Projekten gearbeitet haben, noch nicht. Drei wurden beim Demo Day im Kreuzberger Betahaus mit Preisen ausgezeichnet: Luuv, ChargeShare und Skysense – drei Produkte, bei denen der Sachverstand von Ingenieuren und Berliner Kreativität zusammentreffen.

Luuv ermöglicht es, Videos auf dem Smartphone ohne Ruckeln zu erstellen: Es handelt sich dabei um ein Schwebestativ. Es sieht ungefähr so aus wie eine Karaffe. Am oberen Ende wird dann ie Kamera montiert, darunter am Hals ist der Griff für die Hand des Kameramanns angebracht und unten im bauchigen Teil ist die notwendige Technik verborgen, mit der die Kamera ausbalanciert wird und mit deren Hilfe sich auch bei schnellen Bewegungen ihre Ausrichtung während der Aufnahme nicht ändert.

Die Gründer arbeiten seit ungefähr einem Jahr an dem Projekt und hoffen, dass sich dann vor allem Skate- und Snowboarder für dieses Produkt interessieren werden. Im kommenden Jahr soll mit einer entsprechenden Crowdfunding-Kampagne auf der Internet-Plattform IndieGoGo Kapital für den Start der Serienproduktion gesammelt werden.

Eine Kleinserie – zum Teil aus dem 3D-Drucker – gibt es bereits. Das Schwebestativ sei für Kameras bis 500 Gramm geeignet, sagt Mitgründer Tim Kirchner. Einen Prototypen für schwerere Kameras gebe es auch schon.

ChargeShare ist ein Smartphone- und Tabletständer mit Ladestation und eingebauter Batterie, die das Teilen elektrischer Energie ermöglicht. Zu der Hardware gehört eine App. Gründer Solo Avital will um die Hardware herum ein soziales Ecosystem aufbauen. Der ChargeShare-Erfinder ist Künstler und Filmemacher.

Andrea Puiatti und Michele Dallachiesa entwickeln eine „Tankstelle“ für Flugdrohnen und arbeiten an einer Software, die den Mann an der Funkfernsteuerung des Flugroboters überflüssig machen soll. Bei industriellen Einsätzen könnten so Kosten von bis zu 150 Euro pro Stunde eingespart werden, sagt der Gründer von SkySense. Die Drohne soll automatisch ihre Ladestation finden.

„Wir stellen gerade den Prototypen fertig“, sagt Puiatti, der seit vier Jahren in Berlin lebt und seit August mit seinem Freund Dallachiesa an diesem Projekt arbeitet. „Wir sehen unseren Markt vor allem in Amerika und Australien, wo die Drohnentechnologie zwei bis drei Jahre weiter als in Europa ist“, sagt der Gründer. Einsatzgebiete der vollautomatischen Flugdrohne sieht er zum Beispiel in der Landwirtschaft, bei Überwachungsaufgaben und in der Bauwirtschaft.

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