In Berlin jagt ein Besucher-Rekord den nächsten. Nach 25 Millionen Übernachtungen im Vorjahr erwartet der Senat 2013 mehr als 26,5 Millionen. Davon profitieren nicht nur Hotels und Restaurants sondern auch der Einzelhandel. „Wir haben vor allem in den Innenstadtlagen eine wachsende Zahl von Touristen in unseren Märkten, in diesem Jahr viele Kunden aus Russland oder der Ukraine“, sagte Michael Malessa der Morgenpost. Malessa ist Chef des Media Markt-Flagship-Stores im „Alexa“ am Alexanderplatz und Sprecher der 18 Media Märkte in Berlin und Brandenburg.

Touristen aus Osteuropa kaufen in Berlin, weil Elektronik-Artikel in Deutschland preiswerter sind als in der Heimat der Urlauber oder dort noch nicht verkauft werden. Dank des Tourismus-Geschäfts entwickelten sich die Umsätze der Media Märkte auch „stabil aufwärts“, wenn es keine verkaufsfördernden Großereignisse wie eine Fußball-WM gab, wie Malessa sagte. Bis August zählte das Statistikamt Berlin-Brandenburg zum Beispiel 120.550 Touristen aus Russland, fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dazu kommt der wirtschaftliche Aufschwung der Region. Berlin hat sich von der insgesamt schwachen Wirtschaftsentwicklung Deutschlands abgekoppelt. Die Unternehmen hier wachsen deutlich schneller als im Rest des Landes. Mehr als 200.000 neue sozialpflichtige Jobs sind in den vergangenen Jahren entstanden. Zehntausende Menschen ziehen jedes Jahr neu hierher. Dazu steigen Löhne und Gehälter.

„Den Aufschwung spüren wir natürlich“, sagte Malessa. Genaue Umsatzzahlen nannte er nicht. Der Anteil der 14 Berliner und vier Brandenburger Märkte am Gesamtumsatz der 255 Media Märkte in Deutschland liegt bei einem hohen einstelligen Prozent-Bereich. Insgesamt 23 Millionen Besucher zählten die Märkte der Region im vergangenen Jahr.

Media Markt gehört zur Media-Saturn-Gruppe des Metro-Konzerns und betreibt in 14 Ländern über 700 Standorte. Das Unternehmen ist damit der größte Elektronikhändler in Europa. Größte Media-Markt-Konkurrenten in Deutschland sind Medimaxx, der Versandhändler Otto und die konzerneigene Elektronikkette Saturn. Während die Media Markt-Geschäfte außerhalb Deutschlands nach wie vor schwächeln, hat der Deutschland-Umsatz in diesem Jahr wieder zugelegt. „In Deutschland ist Media-Saturn mit einem Anstieg des flächenbereinigten Umsatzes um 3,1 Prozent wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt“, berichtete Metro. Insgesamt setzte die Gruppe 14,4 Milliarden Euro um, etwas mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Einen großen Anteil am Umsatzwachstum in Berlin hätten Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Elektroherde oder Waschmaschinen, die sogenannte weiße Ware, sagte Malessa. Gefolgt vom Geschäft mit Computern, Tablets und Smartphones. Erst an dritter Stelle kommen Fernseher, wenn gleich Malessa von der Fußball-WM in Brasilien im nächsten Jahr einen deutlichen Verkaufsschub erwartet.

Der größte Trend, sagt Malessa, sei die Vernetzung des Lebens. Das heißt zum Beispiel, dass sich Heizungen oder Haushaltsgeräte über Smartphones steuern lassen oder der ans Internet angeschlossene Fernseher (Smart-TV) zum Entertainment-Allrounder wird. In der damit einhergehenden Komplexität sieht Malessa eine große Chance für den stationären Handel gegenüber der Online-Konkurrenz. „Wir beraten nicht nur und liefern aus, sondern richten Geräte auch vor Ort ein. Dienstleistungen sind ein spürbar großer Faktor bei unserer Umsatzentwicklung.“

Das war nicht immer so. Mit dem Aufstieg von Internet-Marktplätzen wie Amazon und Ebay beklagte Malessa „Beratungsdiebstahl“, das heißt, manche Kunden ließen sich ausführlich in den Geschäften beraten – um dann die Geräte bei vermeintlich preiswerteren Internethändlern zu ordern. Mit steigender Tendenz ändere sich das, sagte Malessa: „Klar ist, dass sich Elektronikgeräte über den Preis verkaufen. Aber immer wichtiger für den Kunden wird der Service drum herum: Wer liefert am schnellsten; wer hilft beim Einrichten; wer ist da, wenn etwas nicht funktioniert.“ Dafür seien Kunden bereit, mehr zu zahlen.

Das stelle an das Verkaufspersonal hohe technische Anforderungen, woraus sich die Ausbildungsquote von mehr als zehn Prozent in den Media Märkten der Region erkläre, sagte Malessa. „Ich stelle am liebsten Verkäufer ein, die das Geschäft von Anfang an bei uns gelernt haben.“ 140 der derzeit 1330 Media Markt-Mitarbeiter in Berlin und Brandenburg sind Auszubildende. Um einen hohen Ausbildungsgrad sicherzustellen, arbeitet Media Markt in Berlin überdies mit einer privaten Berufsschule zusammen. Dazu gibt es für alle Mitarbeiter regelmäßig Seminare an einer Schulungsakademie.

Zudem läuft das Media Markt-Geschäft mittlerweile auch rund um die Uhr. Nach jahrelangem Streit im Eigentümerkreis gibt es erst seit 2012 einen ernstzunehmenden Online-Auftritt. Dabei kann online bestellte Ware in den Märkten abgeholt werden oder noch am gleichen Tag geliefert werden. Ein Vorteil gegenüber vielen Online-Händlern. Was im Branchenjargon „Same Day Delivery“ heißt und „Lieferung am Bestelltag“ bedeutet, ist ein neuer Trend des Onlinehandels geworden. Nur Anbieter, die diese Hürde nehmen, werden nach Expertenmeinung in Zukunft eine Chance am Markt haben.