Unternehmen

Stimmungshoch in der Gründerszene

Geschäftsklimaindex des Medienboards Berlin-Brandenburg verzeichnet die höchsten Zufriedenheitswerte seit 2004

90 Prozent der Start-ups aus der IT-Wirtschaft in Berlin sind mit der Geschäftssituation zufrieden oder sogar sehr zufrieden – 15 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. „Das ist ein Höchstwert seit dem Beginn der Erhebung im Jahr 2004“, sagte Medienboard-Geschäftsführer Elmar Giglinger bei Vorlage des 11. Medienbarometer des Medienboards Berlin-Brandenburg in Berlin. Darin bewerten 431 Unternehmen Geschäftsklima und Geschäftserwartungen.

Medienunternehmen der Hauptstadtregion insgesamt sind danach zu 66 Prozent zufrieden bis sehr zufrieden mit dem Geschäftsverlauf im vergangenen Jahr. Nur 19 Prozent bezeichneten die Lage als unbefriedigend. Auch der Blick auf das laufende Geschäftsjahr ist optimistisch: 63 Prozent aller Befragten erwarten steigende Umsätze für 2013. 16 Prozent rechnen damit, weniger umzusetzen. Bei den Start-ups sagen sogar 80 Prozent für 2013 eine steigende Umsatzentwicklung voraus.

Die zufriedensten Gründer wurden im Bereich der IT- und Telekommunikationsbranche verzeichnet. Auf dem zweiten Platz rangieren die Spieleentwickler. Platz drei im Zufriedenheitsranking belegen Internet-, Social-Media- und Mobile-Unternehmen. In der Musikbranche sind 60 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden, beim Film 59 Prozent. „Die Filmbranche hatte ein fantastisches Jahr“, sagte Giglinger. „Wir hatten in Berlin und Brandenburg so viele Produktionen wie noch nie.“

Start-ups identifizieren sich stark mit ihrem Standort: 87 Prozent der befragten Unternehmen würden sich im Fall einer erneuten Gründung wieder für Berlin-Brandenburg entscheiden, nur 13 Prozent würden in ein anderes Bundesland oder ins Ausland wechseln. „Diese positive Identifikation mit Berlin-Brandenburg spiegelt zugleich die in der Region gelebte Gründungskultur wider“, sagte Giglinger.

Die wichtigste Rolle spielt dabei das kreative Umfeld, wie 93 Prozent der befragten Gründer angaben. Danach folgen die Infrastruktur (79 Prozent) und das allgemeine Preis-Leistungs-Verhältnis (73 Prozent). Das Image der Region als Ideenschmiede empfinden aber auch die etablierten Unternehmen als positiv: Von ihnen sehen 70 Prozent in Start-ups eine Bereicherung für die Region, nur ein Drittel ist skeptisch gegenüber der Nachhaltigkeit der aktuellen Entwicklung. „Trotz der steigenden Mietpreise ist das eine sehr günstige Entwicklung“, sagte Giglinger. „Das sollte ein Ansporn für unsere Politiker sein, die Rahmenbedingungen zu erhalten. Sonst kann sich der Wind sehr schnell wieder drehen.“

Doch es gibt auch großen Nachholbedarf. Immer wieder klagt die Start-up-Branche über Schwierigkeiten beim Umgang mit Behörden der Hauptstadt. Englischsprachiges Personal ist nur selten in Bezirksämtern und Meldebehörden anzutreffen. Besonders für Unternehmen, die auf Personal internationaler Herkunft angewiesen sind, stellt das ein großes Problem dar.

Zentrale Anlaufstelle fehlt

Nur 18 Prozent der Start-ups bezeichneten die Angebote politischer Institutionen in Berlin als gut, 44 Prozent als weniger oder nicht hilfreich. Was fehlt, ist eine „One-Stop-Agency“, eine zentrale Anlaufstelle für Gründer, in der sie alle Behördenangelegenheiten erledigen können. „Noch in diesem Jahr wird sich da was tun“, verspricht Andrea Peters, Geschäftsführerin von Media.net Berlin-Brandenburg. „Start-ups mit Bewerbern aus Nicht-EU-Ländern haben extreme Probleme“, sagte sie. „Es gibt viele schöne Angebote in Berlin und Brandenburg. Doch es ist für Unternehmen nicht einfach, diese zu finden.“

Ein weiteres Problem ist die Kapitalausstattung der Gründer. Dabei ist es in Berlin kein Problem, Startkapital zu erhalten. Inzwischen sind 22 Inkubatoren aktiv, wie Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer diese Woche auf der Entwicklerkonferenz Droidcon sagte. Doch oft klagen Gründer darüber, dass sie keine Venture-Capital-Unternehmen (VC) finden, die in einem späteren Stadium helfen – vor allem Summen zwischen einer und 1,5 Millionen Euro fehlen demnach.

Nur 26 Prozent der Start-ups bezeichneten die VC-Angebote in Berlin als gut, 30 Prozent beschrieben sie als weniger oder gar nicht hilfreich. 44 Prozent waren in dieser Frage unentschlossen. Venture-Capital-Bedarf besteht vor allem in den Bereichen IT und Telekommunikation (60 Prozent der Unternehmen), Internet, Social Media, Mobile (51 Prozent der Unternehmen) und Games (42 Prozent der Unternehmen).

„Hier hat sich in den vergangenen zwei Jahren enorm viel getan. Und wir haben kein Indiz, dass das abbrechen wird“, sagt Medienboard-Geschäftsführer Giglinger. „Aber der häufig gezogene Vergleich mit dem Silicon Valley hinkt.“ Dort sei die VC-Dichte um ein Vielfaches höher. Im nationalen Vergleich liegt Berlin eindeutig vorn. „Wir sind die deutsche Gründerhochburg“, sagt Peters von Media.net Berlin-Brandenburg.

Peters und Giglinger erwarten, dass sich weitere Firmen in der Hauptstadt ansiedeln. „Berlin wird europäischer Hub einer Musikplattform aus den USA“, hieß es bei der Vorlage des Medienbarometers, ohne dass ein Markenname genannt wurde. So kann man nur rätseln: Spotify und Soundcloud sind bereits in der Stadt. Und Panasoni hat dieser Tage die Berliner Aupeo gekauft.

Jeder redet vom Berliner Gründerboom, doch niemand weiß genau, wie viele Start-ups es wirklich in der Stadt gibt. Gerne wird die Zahl der Gewerbeanmeldungen oder Existenzgründungen zu Rate gezogen. Doch diese lässt sich nicht auf die Internet-Branche herunterbrechen. Auch das Medienbarometer beantwortet die Frage nach der Zahl der Berliner Start-ups nicht. Von Giglinger gibt es zur Frage, ob er diese Zahl kennt, nur ein klares „Nein“.