Der Internetkonzern Google ordnet angesichts des Siegeszuges von Smartphones und Tablet-PCs seine Sparten mit den Betriebssystemen Android und Chrome neu. Beide Abteilungen werden künftig von Chrome-Manager Sundar Pichai geführt, wie das Unternehmen mitteilte. Der Erfinder der weit verbreiteten Telefonsoftware Android, Andy Rubin, tritt demnach von seinem Posten zurück. Seine künftige Rolle war zunächst nicht klar. Experten vermuten, dass er in Google-Forschungsprojekten wie der Entwicklung eines vollautomatischen Autos eine Rolle spielten könnte.
Der ehemalige Apple-Entwickler Rubin hatte 2003 das Start-up Android gegründet, um ein offenes Betriebssystem für mobile Geräte auf die Beine zu stellen. Google übernahm die Firma 2005, wobei Rubin an Bord blieb. Unter seiner Führung stieg Android zum führenden Smartphone-System auf.
Mit der Fusion der beiden Abteilungen löst der Konzern einen Konflikt, der sich schon länger abgezeichnet hatte: Der Webbrowser Chrome kam vor fünf Jahren als Konkurrenz zum Microsoft Explorer auf den Markt. Damals setzte Google vor allem auf Anwendungen im Web, die mit einem Browser benutzt werden, etwa Google Mail. Parallel dazu entwickelte sich das Betriebssystem Android zu einem großen Erfolg. Heute ist die Software auf drei von vier Smartphones wie von Samsung oder HTC installiert und ist damit das wichtigste Konkurrenzprodukt zum iOS von Apple. Immer mehr Nutzer lassen heute ihre klassischen PCs ausgeschaltet und nutzen lieber ihre Telefone und Smartphones, so dass die Grenzen zwischen dem herkömmlichen und dem mobilen Web verschwimmen. Nach einer Erhebung der Marktforschungsfirma IDC wurden im vergangenen Jahr 497 Millionen Android-Smartphones ausgeliefert. 2011 waren es erst halb so viele Geräte.
Der Erfolg von Android genauso wie von Apples iPhone beruht auf den Zusatzprogrammen außenstehender Entwickler, den sogenannten Apps. Dadurch wird ein Smartphone zum Multifunktionsgerät. Vor Android sei es extrem aufwendig gewesen, Dienste für mobile Geräte zu bauen, schrieb Google-Chef Larry Page. „Wir hatten mehr als 100 Telefone in unserem Schrank und haben unsere Software so ziemlich für jedes Gerät einzeln entwickelt.“
Dennoch hat Google neben Android auch das Betriebssystem Chrome OS im Angebot, das auf den kleinen und vergleichsweise billigen Laptops installiert ist, die unter dem Namen Chromebook verkauft werden. Der Experte Michael Gartenberg vom Marktforschungsunternehmen Gartner sagte, die Teams von Chrome und Android hätten viele Produkte entwickelt, die sich überschnitten. Ob und wie Google Android und Chrome zusammenlegt, bleibt vorerst unklar. Der Konkurrent Microsoft hat etwa das neue Windows 8 sowohl für herkömmliche PCs als auch für Smartphones entwickelt.
Google kündigte zudem an, seinen RSS-Dienst Reader im Juli einzustellen. Die Nutzerzahl sinke, und man wolle sich auf weniger Produkte beschränken, erklärte das Unternehmen. Google startete den Reader im Jahr 2005. Der Service erlaubt es, mehrere Webseiten gleichzeitig zu verfolgen, ohne diese immer wieder neu aufzurufen. Reader-Nutzer könnten ihre Daten in den kommenden Monaten in einen anderen Dienst exportieren.
Viele Internetnutzer setzen in letzter Zeit statt auf RSS auf soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook. Google versucht, mit dem Konkurrenzangebot Google+ den Markt aufzumischen. Die geplante Einstellung des Readers löste am Donnerstag im Internet einen Proteststurm aus.
rtr/dpa

