Serie: Gründerzeit

Mit "Carzapp" das eigene Auto sharen

Jürgen Stüber über ein Projekt, mit dem das Teilen von privaten Autos einfacher wird

Das Auto des Nachbarn zu borgen, ist nicht jedermanns Sache. Was ist, wenn man beim Einparken an dem guten Stück einen Blechschaden verursacht? Und wie viel Geld gibt man dem Vermieter für den Mietwagen? Wer ein solches Geschäft nicht mit Handschlag besiegeln will, kann eine ganze Reihe privater Carsharing-Angebote im Internet nutzen: tamyca.de, nachbarschaftsauto.de oder autonetzer.de zum Beispiel. Sie schaffen für den Mietvertrag einen rechtlich und finanziell eindeutigen Rahmen.

Das Berliner Start-up „Carzapp“ kann das auch, geht aber einen Schritt weiter und macht den direkten Kontakt zum Vermieter und die damit verbundene Lauferei überflüssig. Die Positionen der registrierten privaten Mietwagen werden in einer App angezeigt. Die Gründer Oliver Lünstedt, Sahil Sachdeva und Yannick Feige haben zudem ein Steuergerät erfunden, das in das Auto des Vermieters eingebaut mit Hilfe einer App nach Eingabe einer Geheimzahl die Türschlösser entriegelt. Der Mieter kann also direkt losfahren. Vertragsdetails werden innerhalb der App geklärt. Die Miete wird bargeldlos bezahlt, nachdem die Fahrtstrecke mittels Satellitennavigation berechnet wurde. Weitere ortsbasierte Informationen würden aus Gründen des Datenschutzes natürlich nicht aufgezeichnet, versichert Lünstedt.

Das Projekt befindet sich eineinhalb Jahre nach dem Start noch in einem frühen Entwicklungsstadium: Zur Zeit läuft die geschlossene Beta-Phase. Und die Gründer suchen noch Vermieter, die ihr Privatauto als Mietwagen anbieten wollen. Als Dankeschön gibt es das Steuergerät gratis. Insgesamt soll die Plattform mit 100 Fahrzeugen getestet werden.

Oliver Lünstedt kam über seine Diplomarbeit zu diesem Projekt. Er beschäftigte sich mit dem Thema der Elektromobilität und stellte sich die Frage, warum das Teilen von Fahrzeugen nur mit Neuwagen funktionieren solle. Die Plattformen „Car2go“ und später auch der BMW-Service „DriveNow“ waren gerade in Mode gekommen. Lünstedt versuchte, dieses Modell auf private Fahrzeuge zu übertragen. „Vor allem ging es darum, Hürden abzubauen“, erinnert er sich. Die Versicherungsfrage war zu klären und ganz wichtig war, den Rahmen für ein Vertrauensverhältnis zwischen Mieter und Vermieter bei der Übergabe des Fahrzeugs zu schaffen.

Als hilfreich erwies sich in den ersten Monaten der enge Kontakt zum Existenzgründerzentrum der Technischen Universität Berlin. „Dort wurden wir sehr gut unterstützt“, sagt Lünstedt. Die Hochschule half nicht nur fachlich und organisatorisch. Sie verschaffte den Gründern zusammen mit „ClimateKic“, einer Gründer-Initiative der EU-Kommission für ökologische Projekte, ein Stipendium, das ihnen in der ersten Zeit das Arbeiten ermöglichte. Zur Zeit verhandelt das Start-up mit Investoren. Details zu diesem Thema darf der Gründer zur Zeit noch nicht nennen.

Und welchen Rat gibt der Carzapp-Erfinder anderen Gründern mit auf den Weg, die ebenfalls ein Start-up aufbauen wollen? „Man sollte auf jeden Fall die Angebote der Universitäten nutzen“, sagt er. Hier gebe es kostenfreie Hilfe, und die Hochschulen seien gut vernetzt. Und was würde er anders machen, wenn er mit seinem heutigen Wissen noch einmal an den Start gehen müsste? „Ich würde versuchen, über Crowdinvesting Startkapital zu bekommen“, sagt Lünstedt. Bei dieser Form der Finanzierung stellen Privatpersonen Start-ups Geld zur Verfügung.