E-Commerce

Zalandos teurer Kleiderschrank

Der Onlinehändler macht Verlust. Grund ist der Wachstumskurs der Berliner. Investoren schreckt das nicht

170 Millionen Euro wurden in das 120.000 Quadratmeter große Zentrum investiert, rund 1000 Mitarbeiter sollen hier beschäftigt werden. Geschäftsführer Rubin Ritter sprach vom „größten Kleiderschrank Europas“. Seit Oktober wird in Mönchengladbach an einem annähernd großen Verteilzentrum gebaut, auch hier wollen die Berliner ab Ende 2013 über 1000 Mitarbeiter beschäftigen. Annähernd so viele Menschen arbeiten bereits für die Zentrale in Berlin.

Zalando gehört zum Internet-Imperium der Berliner Investoren Marc, Alexander und Oliver Samwer (Rocket Internet). Es ist der schnellstwachsende Versandhändler in Deutschland und überdies in 14 Ländern aktiv. In Deutschland macht der Internethandel mittlerweile über zehn Prozent aller Einzelhandelsumsätze aus. Während der stationäre Handel jährlich Einbußen hinnehmen muss, wächst der Umsatz im Netz kräftig, wie sich auch an den Zalando-Zahlen ablesen lässt. Das 2008 gegründete Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz von über einer Milliarde Euro, damit hätten sich die Erlöse binnen Jahresfrist verdoppelt.

Angesichts des aggressiven Expansionskurses und des von Zalando in Deutschland ausgelösten Preiskampfes, der selbst Branchenriesen wie Otto Probleme bereitete, „macht das Unternehmen insgesamt noch Verluste“, sagte Geschäftsführer Rubin Ritter am Mittwoch. Bisher würden erst in einigen Märkten schwarze Zahlen geschrieben. Details nannte Ritter nicht. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete zuletzt, Zalando habe 2011 einen Verlust von 40 Millionen Euro eingefahren. Ritter begründete die Verluste mit dem Wachstumskurs. „Man muss Anlaufverluste in Kauf nehmen, um erfolgreich zu sein“, sagte er. Kostentreiber ist das Vertriebsmodell, das den Kunden unbegrenzt kostenlose Retouren ermöglicht. Zum anderen muss Zalando in seine Infrastruktur investieren.

Den Zalando-Erfolg vor Augen wetteifern internationale Investoren darum, Rocket Internet bei der Expansion des Geschäftsmodells in neue Märkte zu finanzieren. So verbündet sich der französische Luxuskonzern PPR (Gucci, Puma) mit den Samwers. Wie das US-Branchenmagazin Techcrunch berichtet, beteiligt sich PPR an den von Rocket Internet in Südamerika, Russland und im Nahen Osten gestarteten Online-Versandhändlern. Die sind nach dem Vorbild der Berliner Plattform Zalando gestaltet. PPR sucht neue Vertriebskanäle für seine Luxusmarken in den schnell wachsenden Schwellenländern. Ein traditionelles Händlernetz außerhalb der großen Städte existiert oftmals nicht. PPR ist zwar selbst im Onlinegeschäft tätig, erreicht aber längst nicht die Reichweite der Samwer-Plattformen.

Zugleich reiht sich PPR in die lange Reihe von Investoren ein, die weltweit Rocket-Internet-Aktivitäten finanzieren. So sammelte Rocket bei internationalen Investoren 65 Millionen Dollar für den brasilianischen Zalando-Ableger Dafiti ein, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab. 45 Millionen Dollar hatte zuvor die US-Großbank JP Morgan in die südamerikanischen Aktivitäten gesteckt. Die Investoren setzen auf die steigende Marktmacht der Zalando-Ableger und eine Vervielfachung ihrer Einsätze bei einem Verkauf.

Nimmt man die jüngsten Investitionen als Maßstab ist Zalando mittlerweile rund 2,8 Milliarden Euro wert. Neben Rocket Internet und Finanzinvestoren ist auch die Tengelmann-Gruppe (Kaiser’s) beteiligt.