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Aufrüsten im Pizza-Krieg

Investoren pumpen 80 Millionen Euro in die Lieferdienst-Portale der Delivery-Hero-Gruppe aus Berlin

- Delivery Hero, der Berliner Betreiber von Lieferdienstportalen wie Lieferheld.de, rüstet sich für den Verdrängungswettbewerb in der Branche. Wie das weltweit aktive Unternehmen gestern mitteilte, habe es von verschiedenen Geldgebern rund 40 Millionen Euro erhalten. Seit der Gründung der Firma 2010 hat Delivery Hero damit Investitionen von rund 80 Millionen Euro an sich gezogen. "Uns steht nun genügend Kapital zur Verfügung, um unsere internationalen Wachstumspläne voranzutreiben", erklärte Firmenchef Fabian Siegel am Montag in Berlin. Das Unternehmen ermöglicht die Bestellung von Mahlzeiten übers Internet. Die Portale des Unternehmens listen Lieferdienste in der Umgebung auf, bei denen Nutzer online bestellen können. Der Betreiber erhält dafür eine Kommission.

Die Lieferdienstportale kämpfen derzeit um die Vorherrschaft in dem noch jungen Markt. Deutschland gilt dabei noch vor Großbritannien als das umkämpfteste Schlachtfeld. Das Blog Deutsche Startups spricht von "Pizza Wars" (Pizza-Kriegen). Die Unternehmen setzen darauf, dass immer mehr Menschen Essen im Netz statt per Telefon ordern. Auch Delivery-Hero-Wettbewerber wie Lieferando - ebenfalls aus Berlin - haben hohe Investitionen erhalten. Zuletzt investierte der australische Finanzinvestor Macquarie im Juni rund 16 Millionen Euro für 27 Prozent an Lieferando. Im Januar startete zudem mit Lieferservice.de ein weiterer Anbieter; das Unternehmen ist der deutsche Ableger der niederländischen TakeAway-Gruppe. 13 Millionen Euro pumpen die Holländer in den Markt. Markführer in Deutschland ist Pizza.de aus Braunschweig.

Oft greifen die Unternehmen zu juristischen Mitteln: So überziehen sich Lieferheld und Lieferando in Deutschland gegenseitig mit Abmahnungen. Im April ermittelte gar die Staatsanwaltschaft gegen Lieferheld wegen des Verdachts auf Computersabotage: Das Unternehmen soll die Systeme des Rivalen attackiert haben. Die Ermittlungen wurden aber nach Angaben von Lieferheld eingestellt.

Delivery Hero plant, dass die deutsche Tochter Lieferheld es in diesem Jahr zum Markführer bringt und den bisherigen Platzhirsch Pizza.de, der sich vor allem auf Deutschland konzentriert, überholt. Die ehrgeizigen Wachstumsziele kosten viel Geld - vor allem für das Marketing, um die Dienste der Gruppe bekannt zu machen. Zugleich versucht das Unternehmen durch Übernahmen oder Gründung von Ablegern im Ausland zu wachsen. So hat Delivery Hero zu Jahresbeginn den britischen Anbieter Hungry House übernommen und damit den Platzhirsch und derzeitigen Weltmarktführer Just Eat auf eigenem Territorium angegriffen.

Derzeit bietet Delivery Hero Plattformen in zwölf Ländern an, neben Deutschland und England auch in Russland, Finnland, Australien, China und Südkorea. Für das erste Quartal hat Delivery Hero die monatliche Zahl von über 600 000 Bestellungen weltweit gemeldet. Das war nach eigenen Angaben ein Zuwachs von 84 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Schätzungen des Online-Magazins "Gründerszene" auf Basis dieser Zahlen zufolge wird die Gruppe in diesem Jahr weltweit rund 250 Millionen Euro umsetzen. Ein Drittel der Erlöse kommt aus Deutschland.

Die Firma beschäftigt nach eigenen Angaben 400 Mitarbeiter, die Mehrheit davon im Hauptquartier in der Mohrenstraße in Berlin. Zu den Altinvestoren gehören der Wagnisfinanzierer Holtzbrinck-Ventures und der Einzelhandelskonzern Tengelmann. Zu den neuen Investoren zählen Kreos Capital, das sich als größter europäischer Anbieter von Wachstumsfinanzierungen bezeichnet, sowie Kite Ventures.