Statistisches Bundesamt

Kürzere Arbeitszeit, höhere Produktivität

Deutsche Arbeitnehmer leisten ein Viertel mehr als vor 20 Jahren, und mehr als der EU-Schnitt

- Trotz kürzerer Arbeitszeiten leisten die Deutschen heute mehr als noch vor zwei Jahrzehnten. Die Arbeitsproduktivität jedes Erwerbstätigen sei zwischen 1991 und 2011 um fast ein Viertel gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Gleichzeitig fiel die Zahl der Arbeitsstunden pro Kopf um neun Prozent. Zwischen 1991 und 2011 stieg die von den Beschäftigten im Durchschnitt erbrachte Wirtschaftsleistung um 22,7 Prozent. Je Stunde stieg die Produktivität sogar um 34,8 Prozent.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht unter anderem in der Verbesserung von Produktionsprozessen einen wichtigen Grund für den Produktivitätszuwachs. "Die Unternehmen haben weniger produktive Teile ins Ausland ausgelagert", sagte DIW-Experte Ferdinand Fichtner. Was Produktivitätsgewinne bringe, sei in Deutschland geblieben, beispielsweise Ingenieur-Dienstleistungen. Zudem habe bessere Ausbildung zu der Steigerung beigetragen.

Die Arbeitsproduktivität berechnet sich, indem die Wirtschaftsleistung eines Landes zur Zahl der Erwerbstätigen oder der geleisteten Arbeitsstunden ins Verhältnis gesetzt wird. Die Wirtschaftsleistung wird mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) beschrieben. Dieses entspricht dem Gesamtwert aller erzeugten Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum.

Die Lohnkosten je Arbeitnehmer stiegen zwischen 1991 und 2011 derweil etwas stärker als die Inflation, teilte das Statistische Bundesamt mit. Sie bezeichnen die Ausgaben der Arbeitgeber für Nettolöhne und -gehälter, Steuern und Solidaritätszuschlag sowie die Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern für die Sozialversicherung. Demnach stiegen die Lohnkosten um 47,5 Prozent und die Verbraucherpreise um 45,8 Prozent. Je geleisteter Arbeitsstunde seien die Lohnkosten zwischen 1991 und 2011 um 63,4 Prozent gestiegen. Weniger stark ist der Zuwachs, wenn die Lohnkosten in Zusammenhang mit der Produktivität gesetzt werden. Die Lohnstückkosten in Deutschland erhöhten sich seit 1991 je Arbeitnehmer um 20,2 Prozent. Je geleisteter Arbeitsstunde seien sie um 21,2 Prozent gestiegen.

Im europäischen Vergleich sei die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gemessen an der Arbeitsproduktivität und den Lohnstückkosten überdurchschnittlich gut, erklärten die Statistiker weiter. Demnach stieg die Produktivität je Erwerbstätigenstunde in der EU von 2005 bis 2010 im Schnitt um 3,4 Prozent. Deutschland kam in diesem Zeitraum auf ein Plus von vier Prozent. Werden die Lohnkosten ins Verhältnis zur Produktivität gesetzt, schneidet Deutschland ebenfalls besser ab als der EU-Durchschnitt. Insgesamt stiegen die Lohnstückkosten pro Arbeitnehmer in der EU von 2005 bis 2010 um 6,2 Prozent. In Deutschland gab es auch wegen moderater Lohnabschlüsse nur einen Zuwachs von 3,6 Prozent.