Ehrung

Gegenbauer wird bester Berliner Ausbildungsbetrieb

Die Wahl ist getroffen: Der beste Ausbildungsbetrieb der Hauptstadt ist in diesem Jahr die Unternehmensgruppe Gegenbauer. Die Firma setzt sich besonders stark in der Berufsausbildung ein und wurde dafür am Freitag auf der Jugendmesse "You" geehrt.

Den Wettbewerb veranstaltete die Handwerkskammer Berlin zusammen mit Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Berliner Morgenpost zum achten Mal.

Gegenbauer ist ein Dienstleistungsunternehmen, das seine Lehrlinge in technischen, handwerklichen und kaufmännischen Berufen ausbildet. Das Unternehmen stellt seit 77 Jahren Lehrlinge ein und gehört zu den größten Ausbildern der Branche: In drei Jahren arbeiten etwa 300 Azubis in dem Betrieb, allein 200 davon in der Hauptstadtregion. Und die Chancen auf eine Übernahme stehen gut: 80 Prozent werden weiter beschäftigt.

Das Gros der jungen Leute lernt die Gebäudereinigung - so wie Benedikt Polen. Er ist im ersten Ausbildungsjahr und fühlt sich sehr gut betreut. "Ich bin mal von einer Leiter gefallen, seitdem hatte ich Höhenangst", erzählte er bei der Ehrung. Der Ausbildungsleiter habe ihm Schritt für Schritt geholfen, die Angst zu überwinden. "Jetzt steh' ich in 30 Metern Höhe und habe keine Probleme mehr." Azubine Victoria Cobas stimmt ihm zu: "Wenn man ein Problem hat, helfen die Ausbilder immer." Außerdem sei ihre Lehre sehr abwechslungsreich. "Das ist wichtig, dann wird es nicht langweilig."

So zufrieden die beiden Lehrlinge sind - viele Unternehmen haben nach wie vor Schwierigkeiten, ihre freien Lehrstellen zu besetzen. Weniger Schüler verlassen die Schule, oft sind sie schlechter ausgebildet als vor einigen Jahren. "Der Fachkräftemangel besteht nicht nur bei Akademikern, in der Berufsausbildung ist er noch viel stärker", sagte Christoph von Knobelsdorff, IHK-Geschäftsführer für Bildung. Der Wettbewerb um den Titel "Bester Ausbildungsbetrieb Berlins" werde deswegen wichtiger. "Unternehmen mit diesem Titel ziehen junge Leute stärker an und finden so eher die passenden Lehrlinge." Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin, ergänzte: "Berliner Unternehmen haben erkannt, dass der Markt sich gewendet hat." In diesem Jahr seien bereits bis dato 25 Prozent mehr Lehrstellen geschaffen worden. "Das zeigt, dass die Berliner Unternehmen Verantwortung übernehmen und Perspektiven für junge Leute schaffen", so Schwarz. Gegenbauer sei ein vorbildliches Beispiel dafür.

Die Firma beschäftigt nicht nur viele Lehrlinge, sie engagiert sich auch in verschiedenen Projekten. So möchte sie Jugendlichen helfen, die schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Jeden Sommer organisiert Gegenbauer beispielsweise zwei Camps für je drei Wochen, an denen 100 Siebtklässler teilnehmen, die die Hauptschule besuchen. In dem Camp finden sie ihre Stärken und Schwächen heraus und lernen Ausbildungen kennen, die zu ihnen passen. Zudem nimmt Gegenbauer am Girl's Day teil und spricht gezielt Jugendliche mit Migrationshintergrund an. Ein Fünftel der Lehrlinge hat ausländische Wurzeln. Das Unternehmen gibt weiterhin jungen Leuten eine Chance, die keine Lehrstelle gefunden haben: Sie können sich in einem Langzeitpraktikum beweisen, aus dem eine Lehrstelle hervorgehen kann, wenn die Jugendlichen sich gut schlagen.

Insgesamt wurden 30 Berliner Unternehmen für ihr Engagement in der Ausbildung geehrt, die sich am Wettbewerb beteiligten. Den zweiten Platz machte die Firma Theodor Bergmann, Handwerksbetrieb für sanitäre Anlagen und Rohrleitungsbau. Schwarz lobte den Betrieb dafür, dass er sich eigens eine Ausbildungsbeauftragte leiste, die sich um berufliche und private Probleme der Azubis kümmere. Den dritten Platz erreichte das Solarunternehmen Solon, das seit 2005 junge Leute ausbildet und bis jetzt jeden übernommen hat. Außerdem schult Solon seine Lehrlinge zusätzlich zum Ausbildungsprogramm, zum Beispiel mit Englischkursen und IT-Programmen.