David Fattal

Eifriger Sammler von Hotels

Vor zwei Jahren hat David Fattal begonnen, Hotels in Deutschland zu sammeln. Scheinbar wahllos kaufte er Häuser von Berlin über Weimar bis nach München. Auf der Einkaufsliste des israelischen Geschäftsmannes standen hier ein Savoy, da ein Best Western, ein Inn im Spreewald, ein Airport-Hotel in Frankfurt.

Von Berlin aus setzt Fattal die Etablierten der Branche unter Druck und sorgt für Verwunderung über sein Tempo.

24 Hotels in 11 Städten gehören mittlerweile zur Leonardo-Gruppe. Der Markenname ist kaum bekannt, der Erfolg dagegen beachtenswert. Die Hotelbranche ächzt unter der Wirtschaftskrise, die Politik päppelt sie mit Steuergeschenken - die Leonardo-Gruppe legt nach eigenen Angaben stetig an Umsatz zu - und breitet sich von Berlin über Europa aus.

Selfmademann aus Israel

"Wir sind noch nicht glücklich mit den Ergebnissen, aber dafür, dass wir ein junges Unternehmen sind, doch sehr zufrieden", sagt Fattal und verkündet im gleichen Atemzug, er würde gern noch zehn bis 20 weitere Hotels in Deutschland kaufen. Er müsse aber jetzt ein wenig langsamer werden, damit sein Management noch hinterher käme und außerdem würde die Wirtschaftskrise sie bremsen. Nicht wegen schlechter Auslastung seiner Häuser versteht sich, sondern "weil die Banken misstrauischer geworden sind".

David Fattal, 52, ist ein Selfmademan aus dem Bilderbuch. Er wächst in Haifa in Israel auf, bei seinem ersten Job im Hotel hält er den Gästen die Eingangstüren auf. Mit 27 leitet er das Hotel bereits, weitere Führungsposten in anderen Häusern folgen. Er baut die Holiday Inn-Gruppe in Israel auf, 1998 schließlich gründet er die Fattal Hotel Management Company. Mit 25 Prozent Marktanteil ist sein Unternehmen der größte Hotelbetreiber im Heiligen Land. Kürzlich hat er alle in seinem Heimatland all Sheratons übernommen.

Aber nun hat Fattal ja den europäischen Markt entdeckt. Der Fokus aber bleibt auf Deutschland. "Wir glauben, der deutsche Markt hat die besten Perspektiven für Preisentwicklung und Auslastung", sagt Fattal. Warum aber schwächeln hier so viele Hotels?

"Die Leonardo-Gruppe hat sich auf dem deutschen Markt eigentlich verhalten wie ein Sanierer, nicht wie eine Hotelkette", sagt Stephan Gerhard, Geschäftsführer der Treugast-Solutions Group, Unternehmensberatung und Rating-Agentur der Hotellerie. "Sie haben sich günstige, kränkelnde Objekte gesucht, mit viel Kapital aus einem Fonds schnell eingekauft und dadurch gleich eine große Marktpräsenz bekommen." Erst in diesem Jahr habe Leonardo angefangen, für die gesammelten Häuser eine Markenlinie und eine Marketingstrategie umzusetzen. Dies sei unkonventionell, die Strategie in der Krise aber richtig. "Wir waren es nicht gewohnt, dass eine Hotel-Company so vorgeht", gibt der Experte zu.

Der Vorteil der Fattal-Methode zeigt sich jetzt: Durch den günstigen Markteinstieg waren Leonardo-Hotels in der Lage, 3- bis 4-Sterne-Zimmer für Budget-Preise anzubieten. Dass die Marke Leonardo den Kunden unbekannt ist, spielt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine Rolle. "Da guckt man beim Buchen auf den Preis, nicht auf den Namen", sagt Gerhard.

Fattal beherzigte zwei weitere Trends der Branche: Luxus-Hotels gehen schlecht, Städtereisen sind die Zukunft. Um fünf Sterne hat Fattal bisher konsequent einen Bogen gemacht, er stürzte sich dagegen auf 3- bis 4-Sterne-Häuser an A-Standorten. Besonders liegen dem Israeli Berlin und München am Herzen. In beiden Städten betreibt er jeweils vier Häuser unterschiedlicher Kategorien und plant ambitionierte Neubauten.