Im Alter von 79 Jahren ist Horst Kramp in Berlin gestorben. Wie seine Familie erst gestern mitteilte, bereits am 13. August. "Wir trauern um einen Mann, der sich bei der Überwindung der Teilungsfolgen Berlins große Verdienste erworben hat", würdigte ihn sein Nachnachfolger in der IHK- Präsidentschaft, Eric Schweitzer.

Horst Kramp, Jahrgang 1931, wurde in Hamburg geboren. Sein Leben lang bewahrte er sich die ebenso vornehme wie freiheitliche hanseatische Tugend. Nach einer Lehre zum Industriekaufmann bei der Norddeutschen Affinerie in Hamburg stieg er in dem Unternehmen bis zum Prokuristen auf. 1964 holte ihn Schering nach Berlin, 1977 wurde er in den Vorstand des einzigen hier verbliebenen Weltkonzerns berufen. Die Berliner IHK wählte ihn nach nur einem Jahr als Mitglied der Vollversammlung 1984 zu ihrem Präsidenten.

Während der Zeit der Teilung sah Kramp seine zentrale Aufgabe als Kammerpräsident darin, die Berlin-Förderung, die in Westdeutschland in ihrer Höhe zunehmend hinterfragt wurde, zu verteidigen und zu rechtfertigen. Das wurde zunehmend schwieriger, als 1989 der rot- grüne Senat gebildet wurde. Weil Kramp sein Amt als ein parteipolitisch neutrales verstand, mühte er sich trotz aller inhaltlichen Gegensätze auch mit der Regierung aus SPD und Alternativen um Zusammenarbeit - und dies immer mit dem Ziel, den Wirtschaftsstandort Berlin nicht noch weiter zu beschädigen. Das verübelten ihm nicht nur manche Mitglieder, auch der kurzzeitige Oppositionsführer und bald wieder langjährige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen. Das Verhältnis zwischen beiden blieb fortan getrübt.

Im Vereinigungsprozess seit 1990 haben sich die IHK und ihr Präsident immer als Antreiber, Mahner und konstruktive Kritiker verstanden. Dass einige ihn und seinen Verband deshalb des Querulantentums bezichtigten, focht Kramp nicht an. Ihm ging es immer um die Sache - im Bewusstsein, dass nur eine prosperierende, nach vorn drängende Wirtschaft der Motor für den Wiederaufbau der geteilten Stadt sein kann. Bei so viel persönlicher Dynamik blieb Ungeduld nicht aus. "Es dauert in dieser Stadt alles sehr lange - länger als in vielen vergleichbaren, mit uns konkurrierenden Wirtschaftsstandorten..." Seine Klage von einst klingt wie eine von heute.

Bei allem Erfolg - verbandsintern misslang ihm, was er gleich zu Beginn seiner Amtszeit verkündet hatte: eine stärkere Beteiligung der Mitglieder der Kammer bei deren Arbeit. Die Mehrheit verharrte in Passivität. Das wurde besonders deutlich, als ein Nachfolger für Horst Kramp gesucht wurde. Lange vergeblich. So wurde er 1996 zum vierten Mal wiedergewählt. Auch deshalb, weil die von ihm gesetzten Maßstäbe nur schwer zu erfüllen waren. Mit dem Gebäudereiniger und heutigen Hertha-Präsidenten Werner Gegenbauer erklärte sich nach langem guten Zureden doch noch einer bereit fortzusetzen, was Horst Kramp so überzeugend weiterentwickelt und neu aufgebaut hat.

So konnte er sich so erfolgreich wie bescheiden 1997 verabschieden. Eine Ehrenpräsidentschaft schlug er dankend aus. Rituale seien seine Sache nicht.