Musikmesse

Zwangspause für die Popkomm

| Lesedauer: 3 Minuten
Hans Evert

Im Terminkalender der Berliner Kreativwirtschaft wird ein wichtiges Ereignis gestrichen. Die Musikmesse Popkomm, geplant für den 16. bis 19. September, entfällt mangels Interesse der Branche.

-Beim Veranstalter Popkomm GmbH, eine Tochter der Messe Berlin, meldeten sich deutlich weniger Unternehmen und Fachbesucher als im Jahr 2008, das auch schon als schwach galt. "Es hätte wohl einen Rückgang von bis zu 50 Prozent bei Ausstellern und Fachbesuchern gegeben", sagt Messechefin Katja Gross.

Die Absage ist ein weiterer Beleg für die tiefe Krise der Musikindustrie. Das Internet lässt das Geschäftsmodell der Branche wanken. Umsätze und Gewinne schrumpfen seit Jahren. Noch immer ringen die Unternehmen um ein Geschäftsmodell, das ihnen im Online-Zeitalter das Überleben sichert. Angesichts der Finanzkrise entschieden nun viele der gebeutelten Firmen, auf die Dienstreise nach Berlin zu verzichten.

Dieter Gorny, Chef des Bundesverbandes Musikindustrie (BVNI), gibt der Internetpiraterie die Schuld an der Absage. "Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen", sagt der Lobbyist.

Gorny fordert härtere Strafen für Leute, die sich im weltweiten Netz illegal und kostenlos Musik beschaffen. Gleichzeitig betont der Gründer und ehemalige Chef des Musiksenders Viva, wie wichtig die Marke Popkomm und der Veranstaltungsort Berlin sei. Die Sprachregelung lautet: Es wird nur ein Jahr ausgesetzt.

Diese Hoffnung hegen viele in der Stadt. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) ließ per Erklärung mitteilen, es sei erfreulich, dass die Veranstalter sich entschieden hätten, die Popkomm im Jahr 2010 wieder in Berlin stattfinden zu lassen. Auch Christian Wiesenhütter, Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, sagt: "Der Standort ist nicht gefährdet."

Nun geloben alle, der Popkomm ein neues Konzept zu verpassen, damit die Branchenvertreter 2010 die Dienstreise nach Berlin buchen. Eine Überarbeitung scheint nötig. Denn der Wert der Popkomm bemaß sich für viele wohl vor allem im Konzertprogramm. "Der Kernzweck der Popkomm hieß: Party. Doch heute, bei einem schrumpfenden Markt, macht das keinen Sinn mehr", kritisiert Tim Renner, Ex-Chef des Plattenlabels Universal (siehe Interview).

Im vergangenen Jahr zeigte sich bereits, dass die Branche Interesse an der Popkomm verliert. Es kamen 14000 Fachbesucher, 1000 weniger als 2007. Auch die Zahl der Aussteller ging zurück. Der Branchenriese Sony beispielsweise war schon 2008 nicht nach Berlin gekommen. Dafür strömten die Leute in Clubs und Konzerthallen, um die Konzerte von 400 Bands und Sängern zu erleben.

Die Absage der Popkomm in diesem Jahr dürfte jedoch in Köln für Schadenfreude sorgen. Bis zum Jahr 2003 traf sich die Musikbranche am Rhein. Den Umzug nach Berlin haben sie dort noch immer nicht verwunden.