Mit ihrer Maschinenfamilie XL hat sich die Korsch AG am Weltmarkt zur Nummer zwei entwickelt. Große Hoffnungen setzt sie jetzt auf die Hochleistungspresse XL800, neue Märkte in Asien und zusätzliche Einsatzgebiete - zum Beispiel Vitamintabletten.

Berlin - Es hat ein bisschen gedauert, bis Stephan Mies die Faszination der Tablettenpressen für sich entdeckt hatte. "Mähdrescher waren da etwas ganz anderes", erinnert sich der Vorstandsvorsitzende der Berliner Korsch AG an seinen vorherigen Arbeitgeber, den Landmaschinen-Hersteller Claas. Trotzdem ist der Dortmunder vor zehn Jahren gewechselt und hat dem Berliner Mittelständler unübersehbar seinen Stempel aufgedrückt.

Seit Mies am Ruder sitzt, ist in Reinickendorf eine ganze Maschinenfamilie entstanden, die jetzt in Serie vom Band läuft. Das war eine kleine Revolution, denn bis Ende der 80er-Jahre entwickelte und fertigte Korsch ausschließlich Sonderkonstruktionen nach Kundenwünschen. "Heute setzen die meisten Hersteller auf Tabletten in Standardgrößen", erklärt Mies, dem zehn Prozent des Unternehmens gehören, den Strategiewechsel.

Ob Kopfschmerztablette, Würz-Würfel, Geschirrspül-Tab, Düngemittel oder Traubenzucker - Korsch-Pressen bringen alles in Tablettenform. "Alle Großen der Pharmabranche gehören zu unseren Kunden", sagt Mies. Zudem beliefert er Süßwaren- und Nahrungsmittelhersteller sowie die chemische und die technische Industrie - wie etwa die Batteriehersteller Varta und Duracell, die mit Maschinen aus Berlin das "Innenleben" ihrer Energiespender pressen. Für den Löwenanteil des Umsatzes aber sorgen die Pharmakonzerne.

Neben der Serienproduktion hat Mies auch die Sonderanfertigungen im Programm behalten, gerade für komplizierte Mehr-Schicht-Tabletten mit kombinierten Wirkstoffen. Ein Vorteil, der ihn von der Konkurrenz am Weltmarkt abhebt, ist sich Mies sicher. Ohnehin ist das Geschäft mit den Pressen übersichtlich: Sieben Hersteller teilen es sich, die drei größten sitzen in Deutschland, und vom Umsatz her ist Korsch weltweit die Nummer zwei.

Ihre neue Maschinen-Generation haben sie in Reinickendorf XL genannt. Seit 1999 wurden vier Typen am Markt etabliert, wie ein Baukastensystem bauen sie aufeinander auf. Zuletzt kam als Highlight die XL800 dazu - eine Hochleistungspresse, die pro Stunde eine Million Tabletten schafft. Zehn Exemplare wurden bislang ausgeliefert, und das Kraftpaket ist einer der größten Hoffnungsträger. Zudem hat Korsch seine so genannte "Grau-Weiß-Trennung" weltweit patentieren lassen. Das heißt, die Maschine kann bei laufender Produktion gewartet werden.

Mittlerweile arbeiten die Entwickler an neuen Ideen, "aber es ist schwierig, Visionen zu entwickeln", bedauert Mies. Daher setzt der 42-Jährige auf neue Einsatzgebiete: "Warum sollte, was zurzeit flüssig, als Kapsel, Pulver oder Granulat daherkommt, nicht auch als Tablette angeboten werden?" Vor allem jenseits der Pharmaindustrie sieht Mies große Chancen - bei Waschmittel-Tabs zum Beispiel und vor allem im Lebensmittelbereich, etwa bei Vitamintabletten.

Zudem baut er weiter auf den Direktvertrieb mit eigenen Niederlassungen. Den hat er komplett neu aufgebaut. Gleich 1994 ging er in Boston in den USA an den Start, Jakarta in Indonesien folgte 1998, und jetzt ist Korsch auch in Großbritannien und der Schweiz präsent. Vertretungen gibt es in 50 Ländern. 75 Prozent des Umsatzes werden jenseits der deutschen Grenzen gemacht, allein Amerika und Kanada sorgen für 45 Prozent. Und neben Europa entwickeln sich gerade Asien und der arabische Raum zu wichtigen Standbeinen, sagt Mies: "Vor allem in Ägypten, Marokko und Jordanien wird sich viel tun."