Berlin - Ein "Zwergenzauberer" sorgt in Treptow für Riesen-Umsätze. Dank des Super-Mikroskops "Nanowizard" hat die junge Technologiefirma JPK Instruments AG ihren Umsatz seit 2002 um 970 Prozent gesteigert. Erst 1998 von vier Absolventen der Humboldt-Universität gegründet, ist das Unternehmen inzwischen auf 75 Mitarbeiter gewachsen - und damit auf Platz 14 der Deloitte-Liste der 50 am schnellsten wachsenden Technologie-Unternehmen in Deutschland gelandet.

Beim Mode-Begriff Nanotechnologie ist JPK-Vorstand Frank Pelzer etwas zurückhaltend. "Nanotechnologie gab es auch vor 1000 Jahren schon, denn wir haben es im Grunde mit nichts anderem als mit Chemie zu tun", erklärt der Firmengründer: "Der Unterschied ist, dass wir heute diese chemischen Reaktionen beobachten können."

"Atomic Force Microscopy" (AFM) heißt das Spezialgebiet der Mikroskop-Technik, auf dem die Treptower Firma tätig ist. Mit ihr lassen sich Oberflächenstrukturen von der Mikrometer-Skala bis in den atomaren Bereich hinein betrachten. JPK hat die Technik so weiter entwickelt, dass sich mit ihr auch lebende Materialien wie Zellen untersuchen lassen "Das ist unsere Nische", sagt Pelzer. "Mit dieser BioAFM-Technologie sind wir Weltmarktführer."

Derzeit werden am einstigen AEG-Standort in der Bouchéstraße jährlich zwischen 50 und 60 der Nano-Mikroskope hergestellt, die überwiegend an Forschungsinstitute weltweit verkauft werden. Die Exportquote liegt bei 60 Prozent. Mit neuen Geräte-Generationen soll in den nächsten Jahren aber auch die Industrie als Abnehmer gewonnen werden. "Dort können sie etwa für die Qualitätsprüfung eingesetzt werden", erläutert der JPK-Chef, der auf weitere Umsatzsprünge hofft.

Auf Umwegen hat die Nano-Mikroskopie die Industrie indes schon heute erreicht. Pelzer erzählt den Fall eines Forschers, der mit dem Nanowizard die Härchen an den Füßen von Geckos untersuchte. Die Tiere können dank der Haftung, die ihnen die Nanostruktur der Härchen ermöglicht, senkrecht an Wänden laufen. Heute wird der Gecko-Effekt auch bei Haftgreifern in der Autoindustrie eingesetzt, die damit ohne jeden Kratzer Karosserieteile bewegen kann.

Die ersten Jahre waren für JPK nicht einfach. "Wir sind zu einem Zeitpunkt an den Markt gekommen, als es für Gründer praktisch kein Geld mehr gab", erinnert sich Frank Pelzer. "Wir sind dann sofort nach Asien gegangen und haben unser erstes Gerät in Taiwan verkauft." Seitdem hat sich JPK nur aus dem operativen Geschäft finanziert. Lediglich die Investitionsbank Berlin (IBB) ist mit zehn Prozent beteiligt. Zu 88 Prozent gehört die Firma immer noch den vier Gründern.

"Wir haben keinen Grund, das zu ändern", erklärt Pelzer auf die Frage nach einem möglichen Börsengang. Immerhin wurden in den vergangenen Jahren Investitionen von rund 30 Mio. Euro finanziert. Sie flossen in den Ausbau der Firmenzentrale und zwei Tochterunternehmen in Berlin und Dresden (20 Mitarbeiter). Demnächst soll eine Niederlassung in Kanada folgen. Wenn die neuen Nano-Geräte von der Industrie angenommen werden, kann sich Pelzer eine Steigerung der Produktion auf das Zehnfache in fünf Jahren vorstellen.

Erste Probleme werden aber schon sichtbar: "Wir suchen händeringend Fachkräfte", klagt Pelzer. Auch aus diesem Grund sei JPK nach Dresden gegangen. Derzeit könnte die Firma sofort zehn offene Stellen für Biophysiker, Biomediziner und Verkäufer besetzen. Zudem gebe es in Berlin zu wenig Feinwerktechniker, sagt der JPK-Vorstand. Und an den Hochschulen gebe es für seine Branche nicht die richtigen Lehrstühle: "Es wäre Zeit für eine Nano-Fakultät an einer Berliner Universität".