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Schloss der Konzern 2006 noch mit einem negativen Betriebsergebnis von minus 15,6 Mio. Euro, so schrieb Beta Systems im vorigen Jahr mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von knapp sechs Mio. Euro schwarze Zahlen. Auch im laufenden Jahr scheint sich der Trend laut Halbjahresbilanz fortzusetzen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte das Ergebnis von 389 000 Euro auf 592 000 Euro gesteigert werden. Allein die Umsätze durch Softwarelizenzen stiegen im zweiten Quartal 2008 um knapp 43 Prozent. Ein Erfolg, der vor allem einer Radikalkur zu verdanken ist.

Seit 2006 ist Kaymar Niroumand Chef beim Berliner Softwareentwickler. Als er vor rund zweieinhalb Jahren die Aufgabe übernahm, lag das Unternehmen am Boden. "Die Lage war dramatisch. Es gab wahnsinnige Verluste und die Banken wollten die Kredite nicht mehr verlängern", erinnert sich Niroumand. Auch die Belegschaft der drei deutschen Standorte war gespalten. "Alle sprachen nur von den Augsburgern, Berlinern oder von den Kölnern."

Die Maßnahmen, die die Konzernleitung ergriff, sorgten zwar bei den Mitarbeitern teils für Unmut, waren aber erfolgreich. Beta Systems trennte sich vom unprofitablen Hardware-Geschäft, strich in Augsburg 80 von insgesamt 350 Stellen und konzentrierte sich auf Kunden im Banken- und Versicherungswesen. Statt im Ausland selbst vertreten zu sein, wurden Vertriebspartnerschaften geschlossen. Die Wiederauferstehung sieht der Chef aber vor allem als Mannschaftsleistung. "Alle, Management und Belegschaft hatten nur ein Ziel: Endlich wieder ein vernünftiges Ergebnis erwirtschaften."

Dax-Betriebe arbeiten mit Beta Systems

Etwa 650 Mitarbeiter beschäftigt Beta Systems heute weltweit. International ist der Softwareentwickler mit 17 eigenen Konzerngesellschaften vertreten. 18 von 30 Unternehmen im Dax arbeiten mit Softwarelösungen aus Berlin. Sieben der zehn größten europäischen Versicherungsgruppen gehören zum Kundenstamm, ebenso wie die Bankhäuser Credit Swiss, Bank Austria oder die serbische Komercijalna Banka.

Angefangen hat alles 1983 in der Joachimsthaler Straße in Berlin-Charlottenburg. Die Firmengründer und Informationstechnologie-Experten Alfred Tauchnitz, William Schmidt und James Henderson verbesserten ein altes IBM-Betriebssystem, erregten damit das Interesse des Unternehmens und entwickelten in Folge erste Produkte zur Qualitätssicherung so genannter Input-Daten. "Das war echte Pionierarbeit", lobt der heutige Konzernchef.

Als eines der ersten Unternehmen der Branche ging Beta Systems 1997 im Neuen Markt an die Börse. "Plötzlich war sehr viel Geld für Investitionen da", schildert der Vorstandsvorsitzende. Aber nicht alle Käufe liefen optimal. "Vielleicht wuchs die Firma zu schnell und ohne das richtige Augenmaß", meint Niroumand.

Nach der Genesung steht der Konzern wieder vor einer neuen Herausforderung. "Der Markt befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Es gibt viele Käufe und Verkäufe", schildert der Chef. "Wir sind zu klein, um groß zu sein, und zu groß, um klein zu bleiben."