Berlin - Als das Greenlight Media Team vor über fünf Jahren mit der Arbeit an der Naturdokumentation "Unsere Erde" begann, hatte es eine Vision: Kinodokumentationen aus der Nische zu holen und ein Massenpublikum dafür zu begeistern. Doch mit so einem großen Echo hat die kleine Filmproduktionsfirma aus Berlin Mitte dann doch nicht gerechnet. "Unsere Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Die Besucherzahlen sind schon fast unheimlich", sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Beiten im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Nach einer Woche haben schon knapp 360 000 Deutsche den Film "Unsere Erde" gesehen und ihm den Branchenpreis Bogey für einen besonders erfolgreichen Filmstart eingebracht. "Das sind Größenordnungen wie bei einem Hollywood-Blockbuster", freut sich Beiten. Er rechnet damit, dass "Unsere Erde" die erfolgreichste Naturdokumentation in Deutschland wird. "Unsere Erde wird garantiert dieses Jahr über die Hälfte der Lizenzerlöse aller deutschen Filme im Ausland erreichen", ist Greenlight-Media-Chef Beiten überzeugt.

Bislang hat der Film, der in vielen Ländern wie Japan, Spanien oder Frankreich schon länger läuft, bereits rund 40 Mio. Dollar in die Kinokassen gespült. Insgesamt könnten es laut Beiten weltweit rund 100 Mio. Dollar werden. Der Aufwand für die Koproduktion mit BBC Worldwide, für die an über 200 Orten in 26 Ländern gedreht wurde, scheint sich also gelohnt zu haben. Doch wie kommt eine kleine Berliner Filmfirma überhaupt an ein solches Mammutprojekt?

BBC Worldwide ins Boot geholt

Die Ende der 1990er-Jahre gegründete Greenlight Media AG setzte zunächst auf Animationsfilme und produzierte die erfolgreiche Grimms-Märchen-Adaption "Simsala Grimm" deren 2. Staffel im Dezember dieses Jahres herauskommt. Doch Beitens Partner und Aufsichtsratschef André Sikojev träumte von weit größeren Projekten. Und dafür musste ein Partner her. Am besten einer mit internationalem Renommee und Kontakten. Auch wenn BBC Worldwide die Idee von gemeinsamen Dokumentarfilmen fürs Kino zunächst mit einem "You guys are crazy" ablehnte, überzeugte der gebürtige Moskauer Sikojev die Briten schließlich doch noch von einer Kooperation.

Greenlight Media und BBC Worldwide schlossen 2002 eine gleichberechtigte Partnerschaft für einen sogenannten 5-Picture-Deal ab, also eine Kooperation für mindestens fünf gemeinsame Filme. Ein großer Coup für die kleine Berliner Firma. Einzige Bedingung: Bis zum Start des ersten Projektes musste Greenlight Media 100 Prozent des Risikos tragen.

Doch weder die BBC noch Greenlight Media haben die Zusammenarbeit bis heute bereut. Schon die erste gemeinsame Kino-Doku "Deep Blue" war ein Erfolg. In der Rangliste der am meisten besuchten Dokumentarfilme in Deutschland liegt "Deep Blue" mit rund 800 000 Kinogängern auf Platz 7. Spitzenreiter ist die Fußballdoku "Deutschland. Ein Sommermärchen", gefolgt von "Die Reise der Pinguine" und "Bowling for Columbine". Greenlight Media rechnet fest damit, dass "Unsere Erde" den Erfolg von "Deep Blue" deutlich übertreffen wird. "Wir haben immer davon geträumt, Filme für ein weltweites Publikum zu machen, und dieser Traum wird jetzt erneut wahr", sagt Aufsichtsratchef Sikojev.

Nicht nur für die Heimat produzieren

Das Geschäftsmodell der Berliner zielte, im Gegensatz zu den Konzepten der meisten anderen deutschen Filmproduktionsfirmen, immer drauf ab, international zu agieren. Über 80 Prozent der Produktionen aus Deutschland sind für den Heimatmarkt. Dabei ist Deutschland der zweitgrößte Medienmarkt der Welt nach den USA. Und der Blick über die Landesgrenzen ermöglicht mit genügend Verhandlungsgeschick und Überzeugungsarbeit eben auch Großprojekte wie "Unsere Erde".

Für ihre nächste geplante Kinodokumentation "Sibirien" kann Greenlight Media sogar schon zwischen zwei großen Partnern wählen: BBC Worldwide und Disney. Wer den Zuschlag für die gemeinsame Produktion eines Kinofilms und einer Fernsehserie bekommt, wird derzeit noch diskutiert. Das Ergebnis können Zuschauer wahrscheinlich in drei bis vier Jahren weltweit im Kino sehen.

Trotz der jüngsten Erfolge will Greenlight Media sich erst mal nicht vergrößern und setzt auf das aus Unternehmenssicht bewährte kleine Team. Aktuell arbeiten rund 20 Angestellte für Greenlight Media in den hellen Büros mit viel Grün, Glas, Licht und einem Sonnendeck in Berlin Mitte. Das Unternehmen erwirtschaftet derzeit einen Jahresumsatz von rund 20 Mio. Euro. Für die Muttergesellschaft Berlin Atlantic Unternehmensgruppe sind rund 110 Beschäftigte in Berlin und Atlanta im Einsatz.

Die Mutterfirma investiert nicht nur in Filme sondern auch in Infrastrukturprojekte aller Art, vom Mobilfunkturm in den USA bis zum Hafen in Istanbul. Aber auch in der deutschen Hauptstadt ist Atlantic sehr aktiv. "Wir sind mittlerweile das mit Abstand größte Investmenthaus in Berlin", sagt Beiten, der neben seinem Posten als Vorstandschef der Greenlight Media AG auch Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Berlin Atlantic ist.