Immobilienkrise

Wohnungsinvestor geht das Geld aus

Die weltweite Finanzkrise hat nun auch den Berliner Wohnungsmarkt erfasst. Der Großinvestor Level One hat für seine mehr als 200 deutschen Objektgesellschaften Insolvenz angemeldet. Die Holding des österreichischen Investors Cevdet Caner mit Sitz im Steuerparadies Jersey hat seit 2005 für rund 1,85 Mrd. Euro knapp 28 000 Wohnungen in Deutschland erworben. Die meisten davon befinden sich in Berlin und im Süden Ostdeutschlands. Level One ist eine der größten Insolvenzen am deutschen Wohnungsmarkt in den letzten Jahren.

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Level-One-Gründer Caner war 2005 in Deutschland eingestiegen und hatte seither sukzessive Wohnungen überwiegend östlich der Elbe erworben. Mit dem Slogan "Wohnniveau für alle" warb die Gesellschaft um Mieter. Das Unternehmensgeflecht ist schwer durchschaubar: Sitz der Holding ist die Steueroase Jersey, Hauptsitz der Gesellschaft London. Die Verwaltung befindet sich im österreichischen Linz. Die deutschen Wohnungsbestände sind auf mehr als 200 Gesellschaften verteilt und werden von der Level One Asset Managementgesellschaft in Berlin verwaltet. Beim Amtsgericht Charlottenburg wurden die Insolvenzanträge gestellt. Für die Mitarbeiter kam der Schritt völlig überraschend: "Niemand von uns hat damit gerechnet", sagt ein Angestellter. Der Insolvenzverwalter für die Gesellschaften, Rolf Rattunde, hofft auf einen günstigen Verkauf der Wohnungsbestände. "Wir wollen in Abstimmung mit den beteiligten Banken eine sinnvolle Verwertung vornehmen", sagte Rattunde der Berliner Morgenpost. "Erste Gespräche dazu laufen bereits und sind auch Erfolg versprechend." Bei den Hausgesellschaften gebe es genügend Insolvenzmasse.

Credit Suisse größter Gläubiger

Caner hatte 2007 erfolglos versucht, Level One an die Börse zu bringen. Am 18. August 2008 hatten Kapitalgeber bei einem Londoner Gericht beantragt, die Holding unter Zwangsverwaltung zu stellen. Sie hatten der Gesellschaft nachrangige Darlehen über 150 Mio. Euro gewährt. Größter Kreditgeber von Level One ist aber die Credit Suisse. Aus Finanzkreisen verlautet, die Schweizer Großbank habe der Gesellschaft Darlehen über rund 1,1 Mrd. Euro gewährt, den Großteil dieser Kredite aber weiterverkauft. Noch Ende vergangener Woche gab sich Caner gegenüber der Agentur Bloomberg optimistisch: "Alle Beteiligten hoffen, eine Lösung zu finden, bevor es zur Insolvenz kommt."

Der 36-jährige Cevdet Caner gilt als Enfant terrible der österreichischen Finanzszene. Bereits während seines Betriebswirtschaftsstudiums hatte Caner in Linz den Call- und Logistikcenter-Betreiber CLC gegründet. 2001 ging die CLC in Wien an die Börse, übernahm ein Jahr später den Münchner Callcenter-Betreiber Camelot. Die Aktie stürzte in den folgenden drei Jahren von fünf Euro auf 26 Cent ab. Caner musste die Unternehmensführung abtreten, konnte aber Teile seines Vermögens retten. Der gebürtige Kurde übersiedelte nach Monaco und ging in die Immobilienbranche.

"Die Insolvenz von Level One bestätigt unsere Auffassung, dass Wohnungen nicht als Handelsware für Finanzinvestoren geeignet sind", sagt Mieterbundsprecher Ulrich Ropertz. Die Insolvenz werde aber keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Mieter von Level One haben. Jeder neue Eigentümer müsse Rechte und Pflichten aus den Mietverträgen übernehmen. "Es dürfte aber zu Verzögerungen bei den Betriebskostenabrechnungen und der Rückzahlung von Mietkautionen kommen."