Die Körber AG wandert ab

Die Körber AG schließt ihre beiden Betriebsstätten in Berlin. Die Hauptstadt verliert ein Unternehmen, 110 Mitarbeiter verlieren ihren Jobs.

Berlin - Drei Wochen Hoffen und Bangen waren vergebens. Die in Marzahn ansässige Schaudt Mikrosa BWF GmbH und die Körber Schleifring GmbH werden geschlossen. Ein entsprechendes Vorstands-Konzept vom 21. August bestätigte jetzt der Aufsichtsrat des Mutter-Konzerns, der Hamburger Körber AG.

Die beiden in Berlin ansässigen Firmen gingen aus der Berliner Werkzeugmaschinenfabrik (BWF) hervor, einem zu DDR-Zeiten auch international renommierten Vorzeigestaatsbetrieb. Von den damals gut 2400 Beschäftigten arbeiten heute gerade noch 110 Mitarbeiter in den Hallen an der Boxberger Straße. Ihre Stellen wurden nun ersatzlos gestrichen.

Die Schließung der beiden Berliner Werke ist Teil eines Restrukturierungskonzeptes der Körber AG zur Sanierung ihres in der Schleifring-Gruppe zusammengefassten Werkzeugmaschinenbaus. Danach sollen auch die Betriebsstätten in Leipzig und Chemnitz (Sachsen) dicht gemacht werden. Die Produktion von Maschinen vor allem für den Automobilbau wird nun in Stuttgart und Thun (Schweiz) konzentriert. Verbunden damit ist der Abbau von 372 der rund 1800 Arbeitsplätze in der Werkzeugmaschinen-Sparte der Körber AG, die im Vorjahr einen Umsatz von 345 Mio. Euro erwirtschaftete. Allerdings habe es gegenüber dem Boomjahr 2001 einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent gegeben, begründete Schleifring-Geschäftsführer Gregor Rüth das Konzept, mit dem er das Unternehmen wieder in die Gewinnzone führen will. Geplant ist auch die Gründung einer Produktionsgesellschaft in China.

Bei den Berliner Beschäftigten herrscht über diese Pläne Unverständnis und Frust. "Wir sind alle total erschlagen", sagt Doris Balassa; Konstrukteurin bei Schaudt Mikrosa BWF. Nicht zuletzt wegen einer neu entwickelten Maschine zum Hartfeindrehen habe das Werk in diesem Jahr volle Auftragsbücher und schreibe wieder schwarze Zahlen. "Allerdings sind wir in der Vergangenheit nie zur Ruhe gekommen, ständig kamen neue Geschäftsführer." Am Montag will die Unternehmensleitung die Belegschaft über die jüngsten Entscheidungen informieren. Dort erhofft sich Betriebsrat André Grunow endlich auch Aussagen zur Zukunft der Beschäftigten. "Bislang gibt es keinerlei Übernahmeangebote innerhalb des Unternehmens", zeigt sich Grunow von der Hamburger Konzernspitze enttäuscht. Da es in Berlin kaum vergleichbare Produzenten gebe, habe die Mehrzahl der zumeist älteren Facharbeiter kaum eine Chance auf einen neuen Job. Erfolglos blieb bislang auch der gemeinsame Protest der IG Metall Berlin, Leipzig und Chemnitz gegen eine"phantasielose Kahlschlagpolitik", die zum kompletten Rückzug der Körber AG aus Ostdeutschland führen würde. Gefordert wurden eine Alternativkonzept sowie Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung. Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) zeigt sich betroffen über die Schließungsabsichten. In einem Brief an die Konzernspitze setzt er sich für den Erhalt der der Fertigungsstätten ein. Allerdings seien seine Einflussmöglichkeiten begrenzt, da keine zweckgebundenen Fördermittel an die Berliner Körber-Töchter geflossen seien, räumte Wolf auf dem Marzahner Wirtschaftstag ein.