Der Verkauf der landeseigenen Versicherer Feuersozietät und Öffentliche Leben verzögert sich. Beide Unternehmen wollen aber keine weiteren Finanzhilfen mehr von Berlin und Brandenburg. Die Feuersozietät musste dafür auf ihre Reserven zurückgreifen.
Berlin - Der Verkauf der Versicherungsgruppe Feuersozietät/Öffentliche Leben kommt nicht voran. Berlin und Brandenburg konnten sich bislang noch nicht auf einen Investor für die landeseigenen Versicherer einigen. Bislang sollte Anfang Mai ein neuer Eigentümer aus dem öffentlichen Versicherungssektor präsentiert werden. In Branchenkreisen geht man davon aus, dass die Provinzial Rheinland oder die Versicherungskammer Bayern den Zuschlag bekommen. "Das Verfahren läuft noch", sagte ein Sprecher der Berliner Finanzverwaltung. Es gebe keine Eile und keinen fixen Termin. "Ziel ist es, kurzfristig einen leistungsfähigen neuen Eigentümer für die Häuser zu finden", heißt es bei der Feuersozietät. Berlin und Brandenburg bemühen sich bereits seit zwei Jahren um den Verkauf der Feuersozietät/Öffentliche Leben. Nachdem sich die sparkasseneigene Kieler Provinzial auf Grund eigener Probleme zurückziehen musste, wurde die Gruppe mit ihren zusammen rund 400 Mitarbeitern per Zeitungsinserat zum Verkauf angeboten.
Während der Berliner Senat zuletzt noch von einer großen Anzahl von Interessenten sprach, soll sich nach Informationen aus Branchenkreisen das Interesse nun in Grenzen halten. Starke Ambitionen werden der Provinzial Rheinland aus Düsseldorf nachgesagt. Im Sparkassensektor gibt es aber auch Neigungen für eine bayerische Lösung. Der Sachversicherer Feuersozietät betont jetzt, dass er keine weiteren Zuschüsse der Länder Berlin und Brandenburg benötigt. Im vergangenen Herbst mussten die Länder noch je 22,84 Mio. Euro zuschießen.
Nachdem jüngst von einer neuerlichen Finanzspritze von 14 Mio. Euro die Rede war, kann der Sachversicherer seine Probleme mit dem Griff in die Reserven selbst beheben. "Bei der Feuersozietät haben wir 2002 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt und dafür aus den Sicherheitsrücklagen neun Mio. Euro entnommen", sagte Vorstandsvorsitzender Wolf-Rainer Hermel der Berliner Morgenpost. "Bei der Öffentlichen Leben haben wir im vergangenen Jahr einen Gewinn von 2,5 Mio. Euro erzielt." 300 000 Euro würden der Sicherheitsrücklage zugeführt. Den von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geforderten Stresstest für Lebensversicherer habe das Unternehmen erfolgreich absolviert, sagte Hermel. Die strengen Auflagen der Aufsicht seien erfüllt.
Die Berliner Feuersozietät hatte mit hohen Verlusten im Rückversicherungsgeschäft und einer ungünstigen Schadenentwicklung seit dem Jahr 2001 (siehe Grafik) zu kämpfen. Dadurch war das Unternehmen im vergangenen Jahr sogar in eine ernste Schieflage gekommen. Das Schwesterunternehmen wiederum hatte wie andere Lebensversicherer mit den Börsen- und Kapitalmarktturbulenzen zu kämpfen.
Bei der Neuordnung des Versicherungssektors kündigt sich unterdessen eine Fusion in Niedersachsen an. Die beiden in Hannover ansässigen Versicherungen VHV Vereinigte Haftpflichtversicherung und Hannoversche Leben gehen nach unbestätigten Informationen zusammen. Die VHV will die Hannoversche Leben übernehmen, die sich mit Aktien- und Finanzmarktspekulationen verhoben hatte.

