Bielefeld - Die Bielefelder Dr. Oetker-Gruppe trennt sich vom Berliner Lebensmittel-Filialisten Meyer & Beck. "Die Lage bleibt schwierig. Das Unternehmen wird im kommenden Jahr nicht mehr zu uns gehören", sagte Firmenchef August Oetker in Bielefeld. Möglicherweise wird das Unternehmen verkauft. "Eine Schließung wäre ein schlechte Option", sagte Oetker. Der Umsatz der Kette mit mehr als 50 Filialen in der Hauptstadt sinkt unter anderem wegen der Konsumflaute seit Jahren. 2000 hatte er 215 Mio. Euro betragen, 2001waren es noch 177 Mio. Euro und im vergangenen Jahr nur noch 138 Mio. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter sank 2002 um 5,2 Prozent auf 1141. Oetker hat bereits fünf Filialen geschlossen, 16 umgebaut.
Über mögliche Interessenten für Meyer & Beck wurde nichts mitgeteilt. Edeka-Sprecher Andreas Laubig sagte der Berliner Morgenpost, seine Holding habe kein Interesse an den Meyer & Beck-Filialen und verwies auf den über Bundesdurchschnitt liegenden Überhang von Verkaufsflächen in der Hauptstadt. In Berlin gehören bereits die Reichelt-Filialen zur Edeka Hannover-Minden.
Oetker steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr in seiner Gruppe um 16,2 Prozent auf 5,12 Mrd. Euro. "Alles in allem war 2002 kein schlechtes Jahr. Und auch 2003 lässt sich nicht so schlecht an", sagte Konzernchef August Oetker. Allerdings sei der Umsatzanstieg maßgeblich auf Währungseffekte und die erstmalige Konsolidierung der Radeberger-Gruppe zurückzuführen. Wichtiger sei jedoch, dass das Unternehmen nahezu alle Ertragsziele erreicht habe. 45 Prozent des Umsatzes erzielt das Familienunternehmen in Deutschland.
Die Oetker-Gruppe hat Interesse an der Übernahme des viertgrößten deutschen Braukonzerns, Brau und Brunnen in Dortmund. Die Bier-Tochter des Familienkonzerns, Radeberger, als drittgrößter Anbieter auf dem Markt will nach Brancheninformationen die Brau-und-Brunnen-Anteile der HypoVereinsbank übernehmen. Das Institut möchte sich von Brau und Brunnen mit seiner Premium-Marke Jever trennen. "Wir haben eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben", sagte der Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer auf entsprechende Fragen. Eine weitere Stellungnahme lehnte er ab. Zur Radeberger-Gruppe gehört auch Berliner Kindl. Das Dosenpfand macht der Bier-Sparte zu schaffen: Nach Kallmeyers Worten koste das Pfand das Unternehmen wegen des Nachfrage-Einbruchs rund 25 Mio. Euro.
Der Schifffahrtsbereich mit der Reederei Hamburg Süd - die größte Einzelsparte des Unternehmens - machte Oetker im vergangenen Jahr Sorgen. Wegen des schwachen Dollars und der Wirtschaftskrisen in Argentinien und Venezuela sank der Umsatz um fast zwölf Prozent. Hamburg Süd setzt 106 Schiffe ein, davon 20 gruppeneigene.
Das Nahrungsmittelgeschäft bei Oetker stagnierte im vergangenen Jahr in Deutschland. Das Spartenwachstum von 6,4 Prozent resultiert komplett aus dem guten Auslandsgeschäft vor allem in Österreich, Italien, Belgien und Osteuropa. Die Finanz-Sparte mit der Lampe Bank und der Condor Versicherung bekam die Krise ihrer Branche zu spüren. Lampe hatte ein, so Oetker "nicht zufrieden stellendes Geschäftsjahr" und musste auf Ausschüttungen verzichten.
Mit einer Schenkung stellte Senior Rudolf-August Oetker Ende vergangenen Jahres die Weichen für die Zukunft des Unternehmens. Mit Ausnahme von sechs Prozent der Anteile übertrug er den Konzern an seine Kinder.
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