Spaßfaktor Neukölln

In seinen waschmaschinenfesten Sperrmüll-Outfits wirkt Kurt Krömer nett, harmlos und verklemmt. Bis er seinen speziellen aggressiv-renitenten Charme auspackt und die erste Attacke reitet. Richtig warm gelaufen, springt er dann schon mal tollkühn von der Bühne mitten in die Zuschauer und putzt wagemutige Zwischenrufer runter. Bei einem echten Clown-Komiker-Entertainer-Kabarettisten wie ihm sollte man sich eben auch jenseits von Reihe eins nicht in falscher Sicherheit wiegen.

Doch keine Angst: Der Onkel beißt nicht. Der will nur spielen. Es soll Menschen geben, die den Lokal-Heiligen aus Neukölln noch nicht kennen. Vermutlich irgendwo im Ruhrgebiet, in Niederbayern oder Spandau. Letzte weiße Flecken auf der Krömer'schen Spaß-Landkarte, die in den kommenden Wochen getilgt werden dürften. Denn "Die Kurt Krömer Show" geht jetzt mit sechs neuen Folgen in die zweite Runde. Heute Abend kann man sich von dem anarchischen Spontanwitz des 29-Jährigen auf der Mattscheibe anstecken lassen. Immer kurz vorm Ausrasten, berlinert er sich durch einen monströsen Alltag. Er erzählt, dass er im Urlaub beinahe gekidnappt worden wäre, dafür aber nicht passend angezogen war. Oder er schwadroniert über das Liebesleben einer Eintagsfliege. So hat er bereits den Köln Comedy Cup und den Publikumspreis der Wühlmäuse gewonnen.

Dabei sah es vor einigen Jahren für ihn noch recht düster aus. Er tingelte durch Clubs und jobbte als Kellner. Erst 1997 kam der ersehnte Durchbruch. 2002 avancierte er mit "Bericht aus Neukölln" auf Radio Eins zum Kult. Heute ist er eine Lichtgestalt im Stand-up-Comedy-Einheitsbrei. In seiner Fernsehshow bleibt Krömer den Prinzipien "keine Verkleidung, keine Doktorsketche" treu. Genau wie dem piefigen Gartenzwerg-Hinterhof-Ambiente mit lauschiger Lichterkette und schicken Plastikstühlen. Er lädt allerdings nur noch zwei statt der bisher drei Gäste pro Sendung ein, darunter diesmal Friedrich Nowottny, Frank Zander und Gregor Gysi. Ihnen kredenzt er lauwarme Getränke zu knallharten Fragen, bei denen er nach dem Motto verfährt "Erst reden, dann denken". Großmäulig kündigt er da etwa Bond-Bösewicht Claude-Oliver Rudolph als "rumänischen Nuttenpreller" an, bevor er vorsichtig nachhakt: "Hast du schon mal einen Moderator geschlagen?" In Kurzfilmen tritt er gegen einen Samurai-Meister an oder geht als Stuntman in Flammen auf. Außerdem stellt er preisgekrönte Comedians vor wie Krissie Illing oder die Flamenco-Rocker Paul Morocco und Olè.

Und natürlich ist auch Edith Schröder mit von der Partie, Kurt Krömers Neuköllner Gesinnungsgenossin in Sachen Trash-Folklore. Ihr Geheimtipp: in ihrem Lieblings-Asia-Imbiss die 68 D bestellen. Doppelt gebackene Katze. Das Codewort lautet "Muschmusch". Für ein paar Cent mehr gibt's sogar das Fell mit nach Hause. Det is Neukölln!

"Die Kurt Krömer Show". RBB, heute 22.30 Uhr. Sechs Folgen, jeweils sonntags