Dafür wird er von seinen Vorgesetzten verhöhnt und ausgenutzt, von seiner Geliebten betrogen und verlassen. Am Ende bringt Woyzeck erst seine Geliebte, dann sich selber um. Wohl kaum eine Bühnenfigur muss mehr Tiefschläge und Demütigungen ertragen.

Georg Büchners „Woyzeck“ gehört bis heute zu den meistgespielten Dramen des 19. Jahrhunderts. Entstanden in den Jahren 1836 bis 1837 blieb das Stück durch Büchners frühen Tod ein Fragment. Es erlebte seinen Durchbruch erst 1921 in der Regie von Max Reinhardt in Berlin.

Nun hat Oleg Myrzak Büchners Drama im Theater unter Dach mit sozialkritischen Tönen inszeniert. Der Regisseur verlegt das Stück konsequent in die Gegenwart. Heute wird Woyzeck nicht von einem Tambourmajor gequält, sondern von Frau Hauptmann (Katharina Heyer). Natürlich führt auch ein Doktor (Fjodor Olev) wieder Experimente durch und es gibt die Geliebte Marie (Katja Sallay). Doch diesmal ist alles eine Versuchsanordnung, die tief in menschliche Abgründe blickt. Rote Bänder begrenzen das Feld. Im Mittelpunkt: Woyzeck, gefangen in einer Gesellschaft, die ihn ausbeutet.

Timur Isik gewinnt dem erniedrigten Woyzeck mit selbst komponierten Liedern und Vertonungen von Büchnertexten ganz neue Facetten ab. Durch seine Songs wird Woyzecks Innenleben sichtbar. Der Schauspieler beweist dabei ein gutes Gespür als Singer/Songwriter.

Theater unterm Dach, Danziger Str. 101, Prenzlauer Berg, Tel. 902 95 38 17., 20.–22. 6. , 20 Uhr, Tickets 12, erm. 5–8 Euro

boro