Von all den Autoren, die darüber geschrieben haben, wie sich irgendjemand gleichzeitig in zwei Menschen verliebt, ist Stephenie Meyer eine der erfolgreichsten und originellsten. In ihrer „Twilight“-Quadrologie verfiel eine junge Holzfällerhemdträgerin bekanntlich einem Schönling, der eigentlich ein Vampir war und liebäugelte nebenbei mit einem Naturburschen, in dem ein leibhaftiger Werwolf steckte. In ihrem 2008 erschienenen Roman „Seelen“ erzählt Meyer erneut so eine aufgebauschte Dreiecksgeschichte, nur dass diesmal die weibliche Heldin in den Genuss einer dualen Persönlichkeit kommt.
Melanie, auch genannt Wanderin (Saoirse Ronan), ist ein menschenförmiges Halb-Alien, in die sich zwei vergleichsweise eindimensionale Menschen-Jungs namens Ian und Jared (Max Irons und Jake Abel) verlieben. „Seelen“ spielt in der Zukunft, auf einer Erde, die ein gesunder, gewaltfreier Planet geworden ist, seit Alien-Seelen die meisten Menschen-Körper okkupiert und mit blauen Kontaktlinsen optisch vereinheitlicht haben. Diese extraterristischen Seelen besitzen unbehaust die Gestalt einer handkleinen Spermatozoiden-Wolke, was sie selbst bedauerlicher Weise irgendwie „igitt“ finden. Sie haben es lieber schön sauber und kompakt und machen daher den ganzen Tag kaum etwas anderes, als sich in sterilen Operationssälen fort- beziehungsweise einzupflanzen, oder mit zäpfchenförmigen Polizei-Fahrzeugen in der Wüste von New Mexico auf Streife zu gehen.
Dorthin ist Melanie geflohen, nachdem sie als eine der letzten freien Menschen mit einer Alien-Seele ausgestattet worden war. Allein, die Wirtin macht ihrem Gast Probleme. „An menschliche Körper muss man sich erst mal gewöhnen“, erklärt ein Alien in Gestalt von Diane Kruger. „Ihre Emotionen sind stark. Wenn ihr Wille zusammen mit ihren Erinnerungen überlebt hat, wird ihr Inneres Widerstand leisten.“ Und weil Melanie eben die besonders starken Emotionen einer frisch (in Jared) verliebten 19-Jährigen hat, macht sie es ihrer Alien-Seele auch besonders schwer – ersten, sich einzugewöhnen und zweitens, ihre an sich schon verbotene Liebe zu Ian zu leben. Folgerichtig besteht ein ermüdend großer Teil von „Seelen“ aus inneren Teenager-Dialogen der beiden Seelen in Melanies/Wanderins Brust. Derweil flaniert sie durch eine imposante Wüstenhöhlenwelt, in der eine geheime Menschen-Kommune lebt.
Das alles plätschert in schönen, und tatsächlich etwas seelenlosen Bildern vor sich her. Dem Kulturkampf Kolonialisten-gegen-Ureinwohner-Seelen gönnen Meyer und Andrew Niccol, dem immerhin mit „Gattaca“ einst ein moderner Science-Fiction-Klassiker gelang, keine wirkliche Spannung. Letztlich gehen sie eben beide davon aus, dass es zwischen Seelen keine Hierarchien und daher auch keinen fundamentalen Konflikt gibt – es sei denn, zwei von ihnen beanspruchen das selbe Schlafzimmer. Weder den Protagonisten noch den Science-Fiction-Elementen von „Seelen“ begegnet Niccol indes mit besonderem Interesse. An sich hier nahe liegende, auch jenseits der Pubertät bedenkenswerte Fragen über die Verhältnisse von Seele, Körper, Innen- und Außenwelt werden lustlos zu einer harmonieseeligen Emo-Fiktion verquast.
Science Fiction: USA 2013, 125 Minuten, von Andrew Niccol, mit Saoirse Ronan, Max Irons, Diane Kruger, William Hurt
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