Ausflugstipp

Durch Hirschgarten und das Westend des Ostens

Ob es jemals Hirsche hier gegeben hat, ist fraglich. Aber es gab inmitten vieler Wiesen zwischen Köpenick und Friedrichshagen einen Hirschacker.

Der gehörte zu jenen Ländereien, die der Bankier Friedrich Wilhelm Albert Hirte (1833-1898) teils erbte, teils vom Wirt der Restauration "Goldener Hirsch" erwarb. Die Villenkolonie, die er 1870 vor den Toren Berlins gründete, nannte er denn auch Hirschgarten.

Für den Bebauungsplan gewann Hirte den aus Böhmen zugereisten Architekten Eduard Titz. Der hatte unter anderem das Haus für das Friedrich-Wilhelmstädtische Theater (dem späteren Deutschen Theater) und einige Villen im Westend errichtet. Eine davon kann man in der Ahornallee 47 bewundern. Schnell wuchs die von Titz entworfene Kolonie östlich der Stadt. Banker, Fabrikanten, Rentiers und Diplomaten ließen hier bauen. 1894 wurde der Bahnhof eingeweiht. Dort verkehrt heute die S-Bahn-Linie 3 zwischen Ostkreuz und Erkner im Landkreis Oder-Spree.

Wir verlassen den Bahnhof zur Straße Am Wiesenrain und halten uns rechts. An ihrem Ende, nach einem scharfen Linksknick, geht es geradeaus durch den Grünfließer Gang zum Fürstenwalder Damm. Auf der anderen Straßenseite beginnt die Sternallee. Sie führt direkt auf den Hirteplatz. Der ist der zentrale Punkt der Villenkolonie. Sechs Straßen gehen von dem Rondell ab. Alle bebaut mit schmucken Villen, die den Wohlstand der Erbauer erahnen lassen.

Hirschgarten wurde schnell zur begehrten Sommerfrische. Und es war, nach erfolgreichen Bohrungen, sogar ein Solebad. Doch schon wenige Jahre später versiegten die Quellen. Was dem guten Ruf der zu Friedrichshagen gehörenden Siedlung nichts anzuhaben vermochte. Es gab nun Dampferanlegestellen, Ausflugsrestaurants, Badestellen und bereits 1895 mehr als 40 prachtvolle Villen. In jenem Jahr wurde auf dem Rondell zu Ehren Hirtes ein Obelisk aufgestellt. Geschaffen hatte den Otto Stahn (1859-1930), seines Zeichens Königlicher Regierungsbaumeister. Unvergessen gemacht hat er sich mit dem Bau der Oberbaumbrücke.

Durch die Stillerzeile kann man zurück Richtung S-Bahnhof gehen. Dabei geht's durch die Westend-Siedlung, die Kurt Heinrich Tischer 1928 im Stil der Moderne entworfen hatte. Wer will, kann, bevor er links in den Wiesenrain einbiegt, in der Gaststätte "Westend" einkehren. Mit ihrem grünen Vorgarten ist sie ein kleines Refugium im Kiez. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung zurück zum Bahnhof Hirschgarten - und von dort mit der S-Bahn wieder in die Stadt, wie man in Hirschgarten sagt.