Film

So realistisch wie poetisch: der Western "Meek's Cutoff"

Western sind im Gegenwartskino eine Rarität. Doch selbst eine Ausnahme wie "True Grit" wirkt nahezu konventionell neben Kelly Reichardts fesselndem Film "Meek's Cutoff". Er verweist auf historische Begebenheiten.

In den 1840er-Jahren lockte der Trapper Stephen Meek etwa 1000 Siedler des Oregon Trail auf einen Weg, der einen vorgeblich weiten Bogen um kriegerische Indianerstämme versprach. Die Route wurde zur Odyssee, in deren Verlauf Meek sich aus dem Staub machte und mindestens 50 Menschen starben.

Kelly Reichardts realistischer und poetischer Western ist keine historisch korrekte Version der Vorfälle. Sie erzählt vom Unterwegssein in Amerika und von den Tücken, die den Weg zum besseren Leben verstellen.

Sie kürzt den abtrünnigen Siedlertreck auf drei Familien, die meist zu Fuß unterwegs sind, um die Pferde zu schonen und Wasservorräte zu sparen, die sie in Planwagen mitführen. Respektlos verfährt sie mit Themen und Motiven des Genres: Ein Planwagen poltert einen Abhang hinab, bis nur noch Kleinholz übrig ist. Auch von den klassischen Männerbündnissen des Genres will die Regisseurin nichts wissen. Sie legt den Fokus auf die Frauen. "Meek's Cutoff" ist ein Neun-Personen-Stück ohne Wände, ein packendes fahrendes Kammerspiel.

Western: USA 2010, 102 Min., von Kelly Reichardt, mit Bruce Greenwood, Michelle Williams, Paul Dano, Zoe Kazan, Shirley Henderson

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