Kleine Entdeckungen

Die Blechtrommel von Rixdorf

Neukölln. Rixdorf, Uthmannstraße. Diese schöne alte Straße hat ihren Namen von Gustav Adolf Uthmann. Der lebte von 1867 bis 1920 und war ein Chordirigent.

Das Dirigieren hat er sich selbst beigebracht, um Arbeiterchöre leiten zu können. Passenderweise führt die Uthmannstraße von der Richardstraße im Böhmischen Dorf - dorthin flohen Protestanten vor Verfolgungen in Böhmen - schnurstracks zur Karl-Marx-Straße. Diese ist heute wahrhaft international.

Das Kopfsteinpflaster der Uthmannstraße ist ausgefahren, sie hat Spurrillen. Ihre Seiten säumen schöne alte Häuser. Saniert. Vor der Sanierung, Ende der 70er-Jahre, hat Volker Schlöndorff dort Szenen aus der "Blechtrommel" gedreht. Denn damals sah es in der Uthmannstraße mehr nach Danzig aus als in Danzig selber, sagt Victor Kopp. Ihm gehört eines der Häuser. Das hat er eigens erworben, damit es nicht abgerissen wird. Kopp ist einer von denen, die verhindert haben, dass die Altbauten zerstört und durch neue Gebäude wie im Rollberg ersetzt wurden. Mit ihm stritt auch Dorothea Kolland, die seit 1981 das Kulturamt Neukölln leitet. Und die evangelische Kirche, habe sich in dem Streit "große Verdienste" erworben, sagt Victor Kopp. So schließt sich dann wieder der Kreis.