Kleine Entdeckungen

Das längste Baudenkmal Europas

Gelb angelaufen ist er - und sieht immer noch aus wie das Werk eines Zuckerbäckers. Es geht um den Keramikstuck an den Häusern entlang der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain.

Zu DDR-Zeiten hatte der Boulevard mit den sozialistischen Prachtbauten, der bis 1961 "Stalinallee" genannt wurde, einen anderen Spitznamen: "Stalins Badezimmer" hieß die Straße im Volksmund - wegen der Keramikfliesen.

Von 1951 bis 1957 wurde das Ensemble erbaut. Die Wohnblöcke säumen 2,5 Kilometer: vom Strausberger Platz bis zur Proskauer Straße. Sie sind das längste Baudenkmal Europas. Architekt war Hermann Henselmann. Während der SED-Diktatur durften in den Zwei- und Dreizimmerwohnungen nur verdiente Arbeiter mit ihren Familien leben. Abgesehen von den Verzierungen im Moskauer Baustil unterschieden sie sich von den übrigen Bauwerken des sozialistischen Klassizismus durch luxuriöse Accessoires wie Fahrstühle, Gegensprechanlagen und Müllschlucker. Im Cafe Sibylle an der Karl-Marx-Allee 72 ist in einer Ausstellung die Geschichte der Karl-Marx-Allee mit ihren Arbeiterpalästen zu sehen. Und etwas zum Anfassen gibt es auch: Original-Möbel.