Mein perfekter Sonntag

"Ich finde die Stadt großartig"

Wenn die Woche doch weniger Tage hätte. Schauspieler Marco Girnth (40) kann es manchmal gar nicht erwarten: "Der Sonntag ist der schönste Tag der Woche, er gehört ausschließlich der Familie. Bereits am Montag freuen wir uns aufs Wochenende, wenn wir endlich Zeit füreinander haben."

Seit neun Jahren spielt er den Kriminaloberkommissar Jan Maybach in der ZDFKrimiserie "Soko Leipzig" (freitags, 21.15 Uhr). Mit Ehefrau und Kollegin Katja Woywood (39) sowie dem siebenjährigen Sohn Niklas wohnt er in unmittelbarer Nähe vom Volkspark Wilmersdorf . "Ein Idealfall, denn so kann ich bereits im Treppenhaus die Zeit stoppen", sagt Girnth, der täglich eine Stunde joggt. Ganz schön ins Schwitzen kommt er außerdem bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen mit Sohn Niklas - beim Bouldern, dem Klettern ohne Seil in Absprunghöhe. Vater und Sohn sind Stammbesucher in der Kletteranlage boulderworX an der Berliner Straße .

Für seine Rollen muss Girnth fit und beweglich sein, nicht nur als Kriminaloberkommissar Maybach, der natürlich stets flott hinter den Bösewichtern her ist. Auch in seinem neuesten Film, dem Abenteuerstreifen "Akte Golgatha" - die Ufa- Produktion wird heute Abend um 20.15 Uhr bei RTL ausgestrahlt - wurde ihm in Sachen Körpereinsatz einiges abverlangt. Gedreht wurde der 90-minütige Film zwei Monate lang unter anderem in Rom, Turin, Jerusalem, auf Malta und in den Alpen. "Aber das Drehbuch ist zum großen Teil in Berlin entstanden, hier im Parkcafé am Fehrbelliner Platz ."

Girnth lehnt sich zurück, blickt durch hohe Glasscheiben auf bunte Herbstblätter, die den Bürgersteig zieren. Über das Parkcafé, das zugleich auch Restaurant und Bar ist, sagt Girnth: "Es ist mein Ruhepool, hier kann ich die Seele baumeln lassen. Und wenn ich Lust aufs Trödeln habe, ist der sonntags stattfindende Trödelmarkt direkt nebenan. Das Parkcafé ist zudem ideal, wenn ich jemanden für Besprechungen treffen möchte. Eigentlich ist es mein ausgelagertes Büro", sagt er. Und fügt hinzu: "Am Drehbuch meines nächsten Films ,World Express', den ich in sechs Wochen in Mexiko drehen werde, ist hier ebenfalls so manches Mal gefeilt worden." Bis dahin genießt Girnth seine Freizeit mit Frau und Sohn. Beispielsweise am Sonntagnachmittag bei einer Fahrradtour, die die Familie häufig in Richtung Grunewald unternimmt. "Von der Innenstadt aus gibt es zahlreiche gute Fahrradwege. Inzwischen kenne ich mich da bestens aus."

Den Sonntag beginnt die Familie freilich mit einem Frühstück im Bett. "Ich bereite es gemeinsam mit Niklas zu, damit Katja noch etwas liegen bleiben kann. Einen Wecker brauchen wir übrigens nicht, in unserem Sohn haben wir einen kleinen menschlichen Wecker. Wenn er sich erst nach sieben Uhr morgens meldet, sind wir schon zufrieden." Wenn das Ausflugsziel der Familie am Rande oder außerhalb der Stadt liegt und mit dem Fahrrad schlecht zu erreichen ist, setzt sich das Trio in einen 15 Jahre alten blauen Chevrolet-Van. In dem von allen Familienmitgliedern heiß geliebten Auto, in dem Erwachsene fast stehen können, sind neben einem Bett auch ein Kühlschrank und bequeme Sitzgelegenheiten zu finden. "Damit machen wir von Berlin aus oft Kurztrips an die Ostsee, zuletzt waren wir auf dem Darß. Wenn man von der Hauptstadt aus nach Brandenburg fährt und auf einer Anhöhe Rast macht, sieht man erst so richtig, dass Berlin inmitten eines grünen Meeres, in einer wundervollen Landschaft liegt. Das ist einmalig."

1998 zog Girnth der Liebe wegen von Köln nach Berlin. Vor zwölf Jahren heiratete er die Berlinerin Katja Woywood. Sie ist seit 2009 die neue Polizeichefin in der RTL-Serie "Cobra 11". Das Schauspieler- Paar lernte sich 1997 bei der TV-Spielshow "Stars gegen Stars" kennen. Aus dem Spiel wurde Ernst - nämlich tatsächlich die große Liebe. Seine Zuneigung zur Hauptstadt konnte Girnth hingegen erst langsam entdecken. "Ich habe mich lange schwer getan mit Berlin", gibt er zu. "Ich kannte die Stadt lediglich von einem Besuch mit der Schulklasse im Jahr 1987 und einem zweiten Berlin-Besuch während der Wende-Wirren 1990", erinnert sich der Darsteller. "Inzwischen aber habe ich das Gefühl wirklich ,angekommen zu sein. Ich finde die Stadt großartig, Berlin ist ständig im Wandel und ein großer Anziehungspunkt für junge Kreative. Die ganze Kunstszene zieht es mittlerweile hierher. Zudem zählt die deutsche Hauptstadt zu den wenigen interessanten Städten in Europa, in denen es noch preiswerte Mieten gibt."

Wenn Girnth bereits am frühen Montagmorgen in Leipzig für die "Soko" vor der Kamera stehen muss, dann nimmt er Sonntagabend vom Bahnhof Südkreuz aus den Zug. Das, sagt Girnth, passiere aber nur sehr selten. Im Normalfall endet der Sonntag für ihn daheim in Wilmersdorf. "Meine Frau und ich drehen so oft auswärts. Da will man möglichst viel zu Hause sein."

Zurzeit sind neue "Soko"-Folgen in Arbeit. Deshalb ist der abenteuerlustige Kriminaloberkommissar Jan Maybach alias Mirco Girnth derzeit wieder unterwegs. Und zwar als Pendler. Morgens fährt er mit dem ICE hin zu den Dreharbeiten und abends wieder zurück zur Familie: "Schon deshalb, weil ich im Berliner Bett am besten schlafen kann."

"Der Sonntag ist unser Familientag. Darauf freuen wir uns schon die ganze Woche über"

Marco Girnth, Schauspieler