Kleine Entdeckungen

Eine Ruine als Flussbett der Zeit

Auf dem Dach wachsen Bäume, die Fassade ist voller Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg, und der Putz bröckelt von den Wänden. In der Hittorfstraße 5 in Dahlem gibt es eine richtige Ruine, die mal eine richtige Villa war.

Wie ein großer Würfel steht sie in einem schönen Garten, davor ein Fliederbusch, ein Apfelbaum und hölzerne Gartenmöbel mit zwei roten Schirmen. Neben dem verschnörkelten Gartentor hängt ein Schild: "Die Ruine der Künste ist ein privater Ort für materielle und immaterielle Künste."

Sie ist auch einer der "Verborgenen Orte in Berlin", die Axel Klappoth in seinem gleichnamigen Buch auflistet. Die Ruine ist eine Art Jubilar: Seit 25 Jahren stellt hier der Medienkünstler und emeritierte Professor an der TU, Wolf Kahlen, seine multimedialen Exponate aus. Mehr als 400 Künstler haben mit Videoinstallationen oder Klangskulpturen Spuren hinterlassen, auf denen Besucher täglich von 17 bis 20 Uhr wandeln können. Dazu kommen Konzerte und Vorträge. Kahlen lässt das Haus weiter verfallen, ganz bewusst, um die Vergänglichkeit der Dinge darzustellen. Für ihn ist es der passende Rahmen für seine Kunst. "Wenn Künstler mit Medien arbeiten, dann sind sie wie Bildhauer, die die Zeit formen. Und der Ruine sieht man den Fluss der Zeit an."