Und weil sie eh die Schnauze voll hat davon, immer nur zu warten und eh nichts passiert, lässt sie ihren 16-jährigen Sohn und ihren jugendlichen Liebhaber in der Plattenbausiedlung zurück und steigt in den Zug Richtung Berner Gebirge. Ab hier wird die Luft ziemlich dünn - für Eva wie auch dramaturgisch.
Ganz abgelegen liegt die Alm des Käsbauern Daniel (Stefan Gubser). Eng ist es, Strom und Warmwasser gibt es nicht, dafür viel Arbeit: 40 Kühe wollen jeden Tag gemolken werden. Daniel ist ein eher maulfauler Senner, die Frau ist ihm längst abgehauen in die Stadt. Auch der deutschen Gastarbeiterin steht er zunächst skeptisch gegenüber, aber von ihrer drall-zupackenden Art ist der Einsiedler bald bezaubert. Doch die agile Heldin lässt ihn genauso abblitzen wie den mazedonischen Hilfsarbeiter von der Alm gegenüber. Sie will jetzt keinen Mann sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Aber natürlich erweicht der grantelnde Almöhi doch noch ihr Herz.
Das Drehbuch der Berliner Regisseurin Tamara Staudt wurde von Wolfgang Kohlhaase bearbeitet, dem renommierten DEFA-Autoren, der mit "Solo Sunny" und zuletzt "Sommer vorm Balkon" ebenso feinsinnig wie humorig das prekäre Leben in Berlin beschrieben hat. Hier scheint ihm jedoch so jeder Sinn fürs Authentische verloren gegangen zu sein, den Figuren kann auch er keine Tiefe verleihen und bei den Szenen auf der Alm wird das Karge bei Kerzenlicht betrachtet zur Fluchtfantasie von Großstadtgeschädigten. Kühe werden gefühlvoll gestreichelt, selbst das Stallausmisten wird, gemeinsam angepackt, zur reinen Freude und abends wird dann Käse gehobelt, Rotwein getrunken und verschämt in die Augen geschaut.
Gedreht wurde der Film bereits im Spätsommer 2006, wirkt aber mit seinem Aussteigermodell in Zeiten der Krise fast visionär. Wenn die heimische Wirtschaft mit der eigenen Arbeitskraft nichts anfangen kann, zieht man sich eben zu Mutter natur zurück und wird Selbstversorger. So ganz ohne Komfort erkennt man den wahren Wert menschlicher Wärme wieder. Dann klappt's auch mit der Liebe.
Die deutsch-schweizerische Koproduktion ist dabei so fluffig geraten wie die Wölkchen, die sich zu Beginn des Films in Wohlgefallen auflösen. Schön anzuschauen sind dann vor allem die Berglandschaften mit ihren saftigen Wiesen, zu denen das Akkordeon angenehm unaufdringliche Volksmusik quetscht und die Romantikkomödie wie einen verfilmten Prospekt des Schweizer Tourismusamts erscheint lässt.
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