Berlinweit verzeichneten die Statistiker im vergangenen Jahr insgesamt 130 463 Verkehrsunfälle, die meisten davon auf Kreuzungen. Damit ist die Anzahl der Verkehrsunfälle im Vergleich zu 2010 zwar nahezu gleich geblieben. Gleichzeitig wurden jedoch mehr Menschen verletzt oder getötet. Statistisch gesehen musste die Polizei alle vier Minuten zu Unfallstellen ausrücken.

Wie die Polizei am Freitag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik mitteilte, folgen nach dem Ernst-Reuter-Platz, in den fünf Straßen einmünden, der Jakob-Kaiser-Platz in Charlottenburg (266 Unfälle mit 15 Verletzten) und der Große Stern in Tiergarten (246 Unfälle mit 23 Verletzten). Insgesamt listet die Polizei neun Unfallschwerpunkte in der Stadt auf, an denen sich statistisch mindestens alle drei Tage ein Verkehrsunfall ereignet.

Neben den Kreuzungen, Straßen und Plätzen, an denen absolut gesehen die meisten Unfälle geschehen, erstellten die Statistiker eine weitere Auflistung mit den gefährlichsten Straßen in Berlin. Der Bereich um die Hauptstraße/Wexstraße/Innsbrucker Platz in Schöneberg liegt mit 157 Verkehrsunfällen zwar im letzten Drittel der "Unfallhäufungspunkte". Jedoch kamen hierbei mit 45 Verletzten sehr viel mehr Menschen zu Schaden. Als weitere gefährliche Straßen mit vielen Verletzten gelten die Bereiche in Pankow, Wedding und Prenzlauer Berg um die Bornholmer Straße/Schönhauser Allee/Wisbyer Straße. Dahinter folgt das Frankfurter Tor in Friedrichshain.

Insgesamt ist der Trend düster: Die Zahl der Verkehrsunfälle ging nur um 0,06 Prozent zurück. Allerdings starben insgesamt 54 Menschen, zehn mehr als im Jahr zuvor. Damit steigt die Zahl der Verkehrstoten in der Hauptstadt erstmals wieder seit 2006. Unter den Getöteten waren laut Polizei 29 Fußgänger, elf Radfahrer, ebenfalls elf Moped-, Roller- oder Motorradfahrer und zwei Pkw-Insassen. In einem Fall erfolgte keine Zuordnung. Damit sind Fußgänger auch weiterhin die am stärksten gefährdeten Verkehrsteilnehmer. Auch die Zahl der Leicht- und Schwerverletzten hat zugenommen. 14 990 Menschen erlitten bei Verkehrsunfällen leichte Verletzungen (ein Plus von 13 Prozent), 1990 Personen wurden schwer verletzt - ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Demnach ereigneten sich die meisten Unfälle (knapp 11 000) wegen Fehlern beim Abbiegen. Daneben verursachten viele Verkehrsteilnehmer die Unfälle, weil sie die Vorfahrt nicht beachteten, zu schnell fuhren oder unter Alkoholeinfluss standen. Allerdings verursachten in 1530 Fällen Fußgänger durch Unaufmerksamkeit die Unfälle selbst.

Die Statistik zeigt auch, dass immer mehr Radfahrer in Verkehrsunfälle verwickelt werden. An 7376 Unfällen waren sie beteiligt, ein Plus von 19 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der leicht und schwer verletzten Radfahrer um 18 Prozent. Bei knapp der Hälfte der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, hatten sie diese auch verursacht. Häufig hatten sie die falsche Fahrbahn benutzt oder Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr begangen.

Angesichts der gestiegenen Opferzahlen bei den Fahrradfahrern kündigte Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers unter anderem an, durch "intensive präventive und auch repressive Maßnahmen die Anzahl verunglückter Radfahrer zu senken". Der Fahrradverkehr würde auch 2012 konsequent und kontinuierlich überwacht. "Selbstverständlich stehen dabei nicht nur die Radfahrer selbst im Fokus, sondern auch die Kraftfahrer mit ihrem fehlerhaften Verhalten gegenüber dieser Risikogruppe", sagte sie.