Forschung

Die Charité schaut tief in die Herzen

Der tiefe Blick in die Herzen der Mitmenschen kann eine sehr nüchterne Angelegenheit sein. Jedenfalls wenn es darum geht, die Funktionstüchtigkeit dieses zentralen Organs zu beurteilen. Dabei geht es nämlich nicht wie im wirklichen Leben ums große Ganze, sondern um kleinste Details.

Was solche Feinheiten angeht, hat ein Berliner Forscherteam jetzt ein völlig neuartiges Verfahren entwickelt. Auch kleinste anatomische Strukturen seien nun abbildbar und damit sei eine äußerst genaue Abgrenzung zwischen Blut und Herzmuskel möglich war, berichtete Professor Thoralf Niendorf am Dienstag.

Die Bilder, die Wissenschaftler der Charité, des Max-Delbrück-Centrums (MDC) und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt gemeinsam in einem der weltweit stärksten Kernspin-Tomografen erzeugten, haben eine fünffach höhere Auflösung als bisher mit anderen Verfahren möglich. Der konventionelle Kernspin bei der Herzbildgebung arbeitet derzeit meist mit einer Magnetfeldstärke von 1,5 Tesla. Ziel des Forscherteams war, erstmals eine Feldstärke von sieben Tesla einzusetzen - das entspricht dem 150 000-Fachen des Magnetfelds der Erde. "Dem stand aber bislang die Physik im Wege", sagte Niendorf. Denn die immensen Datenmengen, die den Wissenschaftlern durch neue Versionen der mehrkanaligen Sende- und Empfangsantennen, sogenannte Hochfrequenzspulen, zur Verfügung standen, mussten mit der Herzbewegung synchronisiert werden - sonst werden die Bilder unscharf.

"Für diesen Abgleich nimmt man in der Regel das EKG-Signal. Aber bei starken Magnetfeldern von mehr als drei Tesla ist dieses Signal entstellt", erläuterte Niendorf. "Deshalb haben wir uns an die alten Griechen erinnert und eine elektronische Version ihres akustischen Stethoskops gebaut." Dem Ruf des Herzens zu folgen, ist also immer noch die beste Methode.