- Sonst müssten sich die Demonstranten auf eine Konfrontation mit den Sicherheitskräften einstellen.
Dennoch protestierten auch gestern wieder einige Hundert gegen das Ergebnis der umstrittenen Präsidentenwahl, die Bereitschaftspolizei setzte Tränengas ein und feuerte Warnschüsse ab. Hubschrauber kreisten. An zentralen Plätzen der Stadt war Augenzeugen zufolge ein großes Polizeiaufgebot zusammengezogen, um Proteste schon in Keim zu ersticken.
Der Wächterrat, eines der mächtigsten Gremien der Islamischen Republik, räumte gestern zumindest Unregelmäßigkeiten bei der Wahl ein, erklärte aber zugleich, dass dies nichts am Sieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad ändere. In 50 Wahlbezirken seien mehr Stimmen abgegeben worden, als es Wahlberechtigte gegeben habe, sagte ein Sprecher des Wächterrats. Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi und Ex-Präsident Mohammed Chatami stellten sich erneut hinter die Demonstranten. Chatami betonte, es gebe ein Recht auf friedliche Proteste. Mussawi schrieb auf seiner Website: "Das Land gehört euch ... gegen Lügen und Betrug zu protestieren ist euer Recht." Der geistliche Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, hatte die Opposition zuvor aufgefordert, den Wahlsieg Ahmadinedschads zu respektieren und die Proteste zu beenden.
Das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstrationen hat bisher 17 Menschen das Leben gekostet. Allein am vergangenen Sonnabend wurden laut gestern veröffentlichtem Polizeibericht 457 Menschen festgenommen.
Ein wackliges Video, das den Tod einer jungen Frau zeigt, die offenbar bei den Protesten erschossen wurde, ist im Internet zu einem neuen Symbol der Protestbewegung geworden. Die dramatische letzte Minute der Frau, die von Angehörigen Neda genannt wird, wurde im Internet über Plattformen wie YouTube und Facebook bereits millionenfach angesehen.
Die britische Botschaft begann mit dem Abzug von Angehörigen des Botschaftspersonals. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, dies sei mit dem deutschen Botschaftspersonal derzeit nicht geplant. Italien gab bekannt, dass es in Abstimmung mit den anderen EU-Staaten seine Vertretung in Teheran für verletzte Demonstranten öffnen werde. Seite 4

