Berlin - Nach den ersten Kampfhandlungen am Golf kam es gestern auch in Berlin zu friedlichen Massen-Demonstrationen. Auf dem Alexanderplatz protestierten zehntausende Menschen mit einer Schweigeminute gegen den Irak-Krieg. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich im Laufe des Tages bis zu 125 000 Menschen an den Anti-Kriegs-Demonstrationen. Am Abend war auch das Auswärtige Amt Ziel der Berliner.
Mindestens 50 000 Schüler - so schätzten die Sicherheitskräfte - waren schon am Vormittag mit Spruchbändern und Trillerpfeifen im Zentrum der Hauptstadt auf die Straße gegangen. Sie waren vom Alexanderplatz aus zum Protestzug zur stark gesicherten US-Botschaft in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße aufgebrochen.
Nach einer Razzia gegen mutmaßliche islamistische Terroristen in Berlin wird gegen fünf Personen wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Generalbundesanwalt Nehm sagte, man sei möglicherweise einem geplanten Sprengstoff-Anschlag zuvorgekommen.
In seiner Fernseh-Ansprache sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder: "Wir haben versucht, den Krieg zu verhindern. Bis zur letzten Minute. Ich bin sicher: Es hätte einen anderen Weg zur Entwaffnung des Diktators gegeben, den Weg der Vereinten Nationen. Und mich berührt, dass ich mich in dieser Haltung einig weiß mit der großen Mehrheit unseres Volkes, mit der Mehrheit im Weltsicherheitsrat und der Mehrheit aller Völker. Es ist die falsche Entscheidung getroffen worden." Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forderte alle Berliner zu Toleranz und Friedlichkeit auf.
Amerikanische und britische Einheiten rückten gestern Abend von Kuwait aus nach Irak vor. Die Soldaten trafen auf vereinzelten Widerstand. Ein irakischer Kampfpanzer vom Typ T-55 wurde mit einer Panzerabwehrrakete zerstört. US-Bomber vom Typ B 52, gestartet in Großbritannien, flogen in der Nacht mit ihrer Bombenlast Bagdad an. Bei massiven Angriffen mit Marschflugkörpern waren mehrere Regierungsgebäude, darunter das Planungsministerium, stark beschädigt worden. Insgesamt sollen mehr als 100 der Marschflugkörper auf dem Irak abgefeuert worden sein. Nach Angaben der irakischen Seite kamen bislang mehrere Soldaten bei den Angriffen ums Leben.
Der Krieg hatte am Donnerstagmorgen um 3.33 Uhr mitteleuropäischer Zeit, etwa 90 Minuten nach dem Auslaufen des Ultimatums an Saddam, begonnen. Mit Marschflugkörpern und Präzisionsbomben war der vermutliche Aufenthaltsort Saddam Husseins in Bagdad beschossen worden.
Die irakische Armee hatte als erste Antwort auf den Angriff mehrere Raketen mit konventionellen Sprengköpfen auf den Norden Kuwaits gefeuert, wo rund 200 000 amerikanische und britische Soldaten stehen. Nach Angaben einer dort stationierten tschechischen ABC-Abwehreinheit sind fünf bis sieben Scud-Raketen zerschellt. Sie enthielten keine ABC-Waffen.
Im Süden Iraks sollen laut US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld von den Irakis Ölquellen in Brand gesetzt worden sein.

