Das Vorhaben ist gewagt. Ausgerechnet ein Duo, das mit Synthie-Pop Riesenerfolge gefeiert hat, versucht sich unplugged - ohne Computer und Synthiebeats. Andererseits: Vince Clarke und Andy Bell, die seit Mitte der achtziger Jahre unter dem Namen Erasure firmieren, dürften wissen, was sie tun. Mehr als 25 Millionen Tonträger haben sie verkauft, darunter fünf Nummer-Eins-Alben, das prägt.
Doch Vince Clarke, 1980 Gründungsmitglied von Depeche Mode, später Hälfte des Duos Yazoo und neben Feargal Sharkey Mitglied des Projekts The Assembly, hielt bisher nicht allzu viel von nichtelektronischen Instrumenten. Um so erstaunlicher ist es dann doch, daß sich Sänger Andy Bell beim "Acoustic"-Konzert von Cello, Mandoline, Gitarre, Klavier, Banjo und Flöte begleiten läßt und die Computer ausgestöpselt bleiben.
Leicht-luftige Popsongs, die manchmal haarscharf am Kitsch vorbeischrammten, verhalfen Erasure zu Weltruhm. "Oh L'Amour", "Sometimes", "Ship of Fools", "Aways" und "Chains of Love" stürmten die Charts, und im September 1990 lockten Vince und Andy mehr als 60 000 Fans zum Konzert in die britische Stadt Milton Keynes - zwei Millionen Zuhörer verfolgten die Show im Radio.
Doch irgendwann wurde es ruhiger um Erasure. Ganz weg waren die beiden indessen nie - und brachten neben vielen Konzerten unverdrossen neue, durchaus beachtete Alben heraus. Nach den mit Gold ausgezeichneten "Other People's Songs" 2003 mit den Lieblingsliedern ihrer Jugend, einem "Very Best of"-Album und dem Longplayer "Nightbird" ist jetzt also die Unplugged-Version dran: "Union Street" heißt das vielgelobte Werk, aus dem die beiden heute in der UdK vortragen. Kein akustischer Streifzug durch die großen Hits, sondern eine Auswahl kleiner, weitgehend unbekannter Songs fern des schwülstigen Erasure-Sounds. Ein Experiment, das neugierig macht.
Erasure: UdK, Hardenbergstr. 32, Charlottenburg. Heute 20 Uhr, 33-48,40 Euro
Silke Böttcher

