Kühne Expedition: Schweben und Kauern mit Miriam Vlaming

Der Kunstfreund lobt sich sein Leipzig: Kunst aus der neuen Leipziger Schule (Galionsfigur: Neo Rauch) hat Konjunktur. Auch in Berlin wird sie angeboten und verkauft, so auch in der erst vor drei Monaten gegründeten Galerie Stefan Denninger. Die Galerie vertritt zurzeit fünf internationale Positionen der Malerei. Gerade frisch eröffnet wurde die Ausstellung mit Werken der Malerin Miriam Vlaming (Jahrgang 71), die bei Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Meisterschülerin geworden ist. Miriam Vlaming wird zum ersten Mal in Berlin mit einer Einzelausstellung präsentiert. Anfang 2004 hat sie mit ihrem Zyklus "Alice" in Leipzig Aufsehen erregt. Bei Stefan Denninger vollführt die Künstlerin mit den Bildern zum Thema "Expedition" einen Spagat zwischen Alt und Neu, Figur und Abstraktion, Zeitgeist und Mythos. Ihre Tempera-Gemälde führen straff aufgefaßte Figuren vor, Bauten zeugen oft von einer gewissen Monumentalität. Und die durchgearbeitete Komposition nach universellen, klassischen Mustern - wie etwa Zentralfigur oder Goldener Schnitt - unterstützt das trefflich.

Mit der Farbe kann die Künstlerin perfekt umgehen. Als Koloristin ist sie bemerkenswert und - kühn: kalte Orgien in Blau und Grau mit Violett, das können nur wenige so gut, das sieht man nicht alle Tage. Mutig auch ihr Umgang mit den Bildebenen und dem Bildraum: Realität wird nur insoweit zugelassen, als sie das Bild stützt. Der Betrachter hat oft einen existentiell unsicheren Standpunkt: Mit den Figuren der Miriam Vlaming schwebt er in der Luft oder kauert sich ins Gras, mal wie ein Vogel, mal wie ein Frosch.

Galerie Stefan Denninger, Torstr. 154, Mitte. Bis 23. 12. Di-Fr 13-19 Uhr. Tel.: 56 73 26 75

gcr