Ausgerechnet die verschwiegenen Wälder in den Bergen von Maine haben sich Andy Bell und Vince Clarke ausgesucht, um ihr neues Erasure-Album zu produzieren. Ein Album, das in Synthie-Pop schwelgt und zu stiller Natur so gar nicht zu passen scheint.

"Light At The End Of The World" heißt das Werk, das einmal mehr Vince Clarkes Abneigung gegen nichtelektronische Instrumente zeigt. Der Mann, der Gründungsmitglied bei Depeche Mode war und dort Hits wie "Just Can't Get Enough" schrieb, später mit Alison Moyet als Duo Yazoo ("Don't Go") auftrat und 1983 im Projekt The Assembly mit Feargal Sharkey zu hören war, ist seit 1985 halb Erasure. Hier hält sich der Soundbastler gern im Hintergrund und überlässt Sänger Andy Bell die Show. Dessen hohe, bis ins Falsett reichende Stimme macht die Band unverwechselbar.

Mit luftig-leichten Hits wie "Sometimes" oder "Oh, L'Amour" eroberten Erasure die Charts und sammelten eine wachsende Fangemeinde um sich. Seither haben sie mehr als 30 Top-40-Singles und elf Top-20-Alben herausgebracht.

Deren Entstehung, so Clarke, ist meistens gleich: Die Musiker setzen sich mit einem Mikrokassettenrekorder in einem Raum zusammen. Clarke beginnt, auf Gitarre oder Klavier eine Akkordfolge zu spielen, Bell singt eine Melodie dazu. Das Ganze wird ergänzt mit elektronischen Instrumenten - und fertig ist der Hit.

So ganz einfach ist das heute allerdings nicht mehr, denn Vince Clarke wohnt seit einiger Zeit mit Frau und Sohn in den schon erwähnten Wäldern Maines, während Andy Bell in London lebt.

Das neue Album "Light At The End Of The World" ist im typischen Achtziger-Jahre-Erasure-Sound gestaltet. Was sie uns sagen wollen, das wird im Song "When A Lover Leaves You" deutlich: Bell ist zwischen zwei Liebhabern hin- und hergerissen - sehnt sich nach dem einen und sorgt sich um den anderen, und Clarke mixt seine Synth-Pop-Samba, um den Schmerz zu lindern. Wer also Liebeskummer hat, kann sich heute in der Columbiahalle trösten lassen.

Columbiahalle:

Columbiadamm 9, Tempelhof, Tel.: 61 10 13 13. Heute, 20 Uhr, 32 Euro