Zartes in leuchtenden Tönen

«Und stellen Sie jetzt immer Blumenbilder aus?» Dies, meint Hans-Martin Lorch, sei die häufigste Frage der vergangenen Tage gewesen. Tatsächlich sind die Motive von Daniela Flörsheim, ihre zarten Riesenblüten in leuchtenden Tönen, nicht gerade typisch für eine Ausstellung in Berlins Mitte-Galerien.

Sie sind es auch nicht für die Malerin, die bei Joseph Beuys studiert hat und später seine Meisterschülerin war. Parallel zu jenen halb floralen, halb abstrakten Farbflächen namens «Tenderly» oder «Island» enstehen Porträts und während der vielen Reisen durch Afrika, Asien und Südamerika ganz individuelle Impressionen: Sie nehmen die Landschaft bewusst bruchstückhaft, manchmal sogar fast naiv wahr und werden im kommenden Jahr in der noch jungen Galerie Lorch + Seidel zu sehen sein.

Den Wunsch nach einer eigenen Galerie, in der die favorisierten Künstler gezeigt werden können, gab es schon länger. Was wird favorisiert? «Die Atmosphäre, das grundsätzlich Optimistische dieser Malerei», sagt Lorch und zeigt mit dem Arm durch den Raum. Mit den Blumenbildern haben die beiden Galeristen, der Architekt Hans-Martin Lorch und der Berliner Kinderpsychiater Reinhold Seidel, zur Eröffnung ihrer Räume also doch ein Zeichen gesetzt - weniger ob der Motive, vielmehr ob des Grundtons der gezeigten Kunst.

Entsprechend soll das Konzept fürs Programm fortgesetzt werden. Ähnlich wie Daniela Flörsheim arbeiten die Schweizerin Andrea Dora Wolfskämp und Ciro Beltrán, denen künftige Einzelausstellungen gewidmet sein werden. Die Gemälde des gebürtigen Chilenen, der bis 2001 an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert hat, sind übrigens alles andere als floral: Wie sein Lehrer Konrad Klapheck konzentriert sich Beltrán stattdessen auf alltägliche Objekte, die er verfremdet ins Bild rückt oder komplett abstrahiert.

Jungen, viel versprechenden Talenten gilt die Aufmerksamkeit der beiden engagierten Galeristen. Auch Medienkunst und Installationen, wie sie die neue Generation oft bevorzugt? Da schüttelt Hans-Martin Lorch den Kopf, und man merkt ihm an, dass ihm die Form- und Farbenwelt der Malerei am liebsten ist.

Erst einmal ein gutes Programm auf die Beine stellen und potenzielle Sammler dafür interessieren, heißt die Losung der nächsten Monate. Noch brauchen Hans-Martin Lorch und Reinhold Seidel ihre beruflichen Standbeine. Dass es dabei nicht bleibt, daran arbeiten die Galeristen.

Galerie Lorch + Seidel, Tucholskystraße 3, Mitte. Tel.: 97 89 39 35. Bis 14. Dezember, Di. - Fr. 11 - 19, Sbd. 11 - 16 Uhr.