Das fast vergessene Haus der Maxie Wander

Sie hat es gerade noch erlebt. Wenige Tage vor ihrem Tod schreibt Maxie Wander an eine Freundin: "Du, im Neuen Deutschland stand gestern, dass mein Buch auf der Bestseller-Liste steht . . ." Mit ihrem Erstlingswerk "Guten Morgen Du Schöne" hatte die Wienerin, die 1958 in die DDR übergesiedelt war, ins Schwarze getroffen. Ihre Frauen-Protokolle schockierten und faszinierten durch ihre Offenheit. Es blieb ihr einziges Werk. Maxie Wander schrieb gerade an den Männer-Protokollen, als sie mit 44 Jahren an Krebs starb.

Kleinmachnow war ihre Heimat. Hier lebte sie bis zu ihrem Tod 1977, zuletzt in der Ernst-Thälmann-Straße 22. Nichts erinnert mehr daran, nicht einmal eine Gedenktafel. In dem unscheinbaren Haus mit den braunen Fensterläden wohnt seit 1980 eine andere Familie. Man habe sich daran gewöhnt, dass Passanten vor dem Haus stehen bleiben, erzählt die Bewohnerin. Trotz ihrer prominenten Bleibe: Führungen veranstaltet sie nicht. Aber wenn sie Zeit habe, dann lasse sie sich auf einen Plausch ein. Dann erfährt man zum Beispiel, dass im Garten noch Rosenstöcke waren, die Maxie Wander gepflanzt hat.

Sie lebte zufrieden in Kleinmachnow bis zu dem Tag, als ihre elfjährige Tochter Kitty in einen Abwassergraben stürzte und verschüttet wurde. Das Kind konnte nicht mehr gerettet werden. Die Familie zog nach der Tragödie in das Haus an der Ernst-Thälmann-Straße. Es war ein Haus ohne Kitty.

Hier versuchte Maxie Wander Halt zu finden in ihren Tagebüchern und Briefen. Angesichts ihrer eigenen Krankheit war der Glaube, bald bei Kitty zu sein, der einzige Trost.

Im Ort gerät die Schriftstellerin langsam in Vergessenheit. Dieser Eindruck entsteht zumindest, befragt man die Leute auf der Straße. Kaum einer erinnert sich daran, wo Maxie Wander gewohnt hat. Selbst wer nur vier Häuser weiter wohnt, weiß nichts von der ehemaligen berühmten Nachbarin.

Dabei ist das Haus Maxie Wanders nicht schwer zu finden. Vom S-Bahnhof Zehlendorf kann man mit dem Fahrrad die Machnower Straße herunter fahren. Nicht weit hinter dem Ortseingang geht die Ernst-Thälmann-Straße rechts ab. Zugegeben: Es ist ein unspektakuläres Haus, das man dort entdeckt. Aber eins, das Bände spricht.